Der Werbeprospekt ist fast 130 Jahre alt. Doch der Text, den die britischen Gründer des Foreign & Colonial Government Trust im Jahre 1868 entwarfen, hat an Aktualität nichts eingebüßt: "Den kleinen Sparern dieselben Vorteile zu verschaffen wie den Reichen." Was die Börsianer damals in London formulierten, war die Geburtsstunde des Investmentsparens. In Deutschland fanden Investmentfonds lange Zeit wenig Interesse. Erst Ende der achtziger Jahre entdeckten immer mehr Bundesbürger die Vorzüge dieses Systems.

Seither hat die Branche einen mächtigen Aufschwung erlebt. Kaum mehr überschaubar ist die Zahl der Angebote, wöchentlich kommen neue hinzu. Vor allem ausländische Gesellschaften drängen auf den Markt. Die Folge ist ein Wirrwarr der Begriffe. Mag jedes Produkt seine Eigenheiten aufweisen, am Grundgedanken ändert das nichts: Jede Fondsgesellschaft, hierzulande von der staatlichen Bankenaufsicht kontrolliert, sammelt Kapital von vielen Anlegern und legt dieses an; sei es in Aktien, festverzinslichen Papieren oder Immobilien. Der Geldgeber ist entsprechend seiner Einlage am Erfolg, aber natürlich auch am Mißerfolg beteiligt.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Zum einen können auch relativ kleine Beträge angelegt werden. Zum anderen wird das Risiko gestreut: Während sich der kleine Sparer mit seinen begrenzten Mitteln auf wenige Werte konzentrieren muß, ist das Spektrum professioneller Fondsmanager ungleich größer. Wer hat schon Zeit, Ausbildung und Technik, um sich täglich über die Trends an den Finanzmärkten zu informieren?

Doch Vorsicht. Auch Experten irren. Nicht selten haben Laien sogar den besseren Riecher. Stolze Zuwächse sind daher keineswegs programmiert. Manch ein Anleger hat in der Vergangenheit seine Einlage teilweise, in Extremfällen sogar ganz verloren. Andere wiederum ärgern sich über jämmerliche Renditen. Da ist es nur ein schwacher Trost, daß jeder seine Anteilscheine rasch wieder zu Geld machen kann - an jedem Börsentag.

Aber das kostet: Jeder Fonds hat nämlich einen Ausgabe- und einen Rücknahmepreis. Ersterer ist jener, zu dem die Gesellschaft ihre Anteilscheine verkauft. Die Differenz erklärt sich durch den Ausgabeaufschlag. Der wird im Regelfall erhoben und beläuft sich schon einmal auf bis zu sechs Prozent der Investitionssumme. Auf kurze Sicht ein arger Renditekiller.

shm