"Deutsches Wörterbuch" von Jakob und Wilhelm Grimm

RIND, neutrum; althochdeutsch: hrind, mittelhochdeutsch: rint; ursprünglich allgemein die gattung des seiner verwendbarkeit zum ziehen, seiner milch und seines fleisches wegen nützlichsten hausthieres der Germanen.

KUH, femininum; althochdeutsch: chuo, chua; mittelhochdeutsch: kuo; englisch: cow; urverwandt mit dem wort in sanskrit: gaus; persisch: gav; kuh heiszt das weibliche rind, nachdem es geboren hat; viele redensarten und sprichwörter: wer wil haben ruw, bleib bei seiner kuw.

OCHSE, OCHS, masculinum; gotisch: auhsa; althochdeutsch: ohso; mittelhochdeutsch: ohse; schlesisch: uchse; niederdeutsch: osse; urverwandt mit dem sanskrit-wort uxa, uksha, der stier, wahrscheinlich von der wurzel ux, uksh: bespringen, befruchten; ochse ist überhaupt das männliche thier vom rindviegeschlechte, besonders der verschnittene stier, als zug- oder schlachtvieh; viele sprichwörter und redensarten: "wer einen ochsen wil bestan, / musz ihn bein hörnern greiffen an"

OCHSENLEICHE: "ob man schon dergleichen begängnisse spottweise ochsenleiche nannte, (nach einem herrn v. Ochsenstein, der seinen letzten willen gemäsz prunklos begraben wurde), so nahmen sie doch zum besten mancher wenig bemittelten familien überhand, und die prunkbegängnisse verloren sich immer mehr" (Göthe).

STIER, masculinum, männliches rind; gotisch: stiur (zweisilbig); althochdeutsch: stior; mittelhochdeutsch: stier; verwandt mit altindisch: sth vira-, breit, dick, derb, dicht, vollwüchsig; im niederdeutschen fehlt "stier" ganz, dort gewöhnlich bulle, am besten ist das wort im alemannischen und schwäbischen bezeugt; in alter zeit war die bedeutung: männliches kalb, so noch heute im englischen "steer"; dann erwachsenes männliches rind, das nicht der zucht dient.