Bonns temperamentvoller Opernintendant Giancarlo del Monaco, wegen unersättlicher Finanzforderungen für sein Haus bekannt, ist wieder einmal ins Fettnäpfchen getreten.

Bei der Vorstellung des neuen Spar-Spielplans orakelte der Barde: "1999 wird in Bonn Musiktheater nur noch auf dem Niveau von Gelsenkirchen möglich sein." Die abfällige Bemerkung des demnächst aus Bonn scheidenden Monaco, dessen Etatüberschreitungen auch schon den Staatsanwalt mobilisierten, rief erwartungsgemäß Gelsenkirchens Generalintendanten Ludwig Baum auf den Plan. Hintersinnig schrieb er dem "lieben Kollegen": Da er ihn in den "vergangenen acht Jahren nie bei einer Vorstellung in Gelsenkirchen gesehen" habe, könne sich seine Äußerung doch wohl nur auf das finanzielle und nicht auf das künstlerische Niveau beziehen, denn das werde in der überregionalen Presse sehr hoch eingeschätzt. Baum weiter: "Ich nehme ja nicht an, daß Sie sich auf die Zeit beziehen, in der Sie als junger Regisseur in Gelsenkirchen arbeiteten." Das saß. Und es folgte sogleich die nächste Ohrfeige: Falls Monaco den Bonnern mal "Gelsenkirchener Niveau vor Augen und Ohren führen" wolle, kämen die Gelsenkirchener mit Mozarts "Cosi fan tutte" gerne nach Bonn.

Auch der Streit um den asbestverseuchten Palast der Republik in Berlin hat entfernt mit Kunst zu tun. Die Vereinigung asbestsachverständiger Architekten und Ingenieure (VAAI) beklagt, die Ausschreibung zur Asbestsanierung des Palastes sei eine Farce gewesen. Da der Sieger des Wettbewerbs, das Ingenieurbüro A.T.D. Tepasse, schon die alte DDR über den Palast-Asbest beraten habe, hätte es Insiderwissen und Wettbewerbsvorteile gehabt. Berlins Oberbauherr, Bauminister Klaus Töpfer, sieht das anders. Alle Wettbewerber hätten Zugang zu Tepasses DDR-Gutachten gehabt. Aus dem Umstand, daß Tepasse seine DDR-Verträge mit Palast-Direktor Klaus Beetz vereinbart hat und Beetz jetzt bei der Oberfinanzdirektion Berlin tätig ist, die wiederum für die Ausschreibung zuständig war, kann der VAAI auch keinen Honig saugen. Beetz beteuert: "Mit dem Wettbewerb hatte ich nichts zu tun." Fazit: Die vom VAAI verlangte Wiederholung des Wettbewerbs findet nicht statt.

Eine Kunst ist auch die Förderung Technologie-orientierter Existenzgründer, allerdings eine, von der die Bonner Förderer nichts verstehen.

SPD-MdB Siegmar Mosdorf ließ sich davon jedenfalls von Jungunternehmern überzeugen. Auf Heller und Pfennig rechneten die vor, die Förderung von Risikokapital zur Existenzgründung führe selbst dann nicht zu Selbständigkeit, wenn der Gründer nach allen Regeln der Unternehmerkunst wirtschaftet. Mosdorfs Fazit: "Wir haben ein Kabinett von 3-6-3-Ministern: Weil die Kassen leer sind, leiht sich Finanzminister Theo Waigel Geld für 3 Prozent am Kapitalmarkt, das Wirtschaftsminister Günter Rexrodt dann für teure 6 Prozent an Existenzgründer weiterreicht, und um 3 Uhr gehen sie gemeinsam Golf spielen. So kann man in Deutschland keine Gründerwelle auslösen." Da hat er wohl recht.