Die Währungsunion rückt näher, eine Frage erregt die Gemüter: Wird der Euro einen oder spalten? Zunächst einmal eint er die Mitglieder des künftigen Euro-Clubs. Eine gemeinsame Währung verlangt Disziplin, und das vitale Interesse an Stabilität wird diese Disziplin auch schaffen. Aber was geschieht mit Ländern in Europa, die draußen vor der Tür bleiben? Sie können mit ihrer Währung anstellen, was sie wollen - zum Beispiel nach Herzenslust abwerten und damit den Ländern mit dem harten Euro die Kunden wegnehmen. Damit sind sie potentielle Unruhestifter, und dem wollen potentielle Kernländer entgegenwirken. Nur wie?

Ein alter Bekannter bietet sich an: das Europäische Währungssystem (EWS) von 1979. Es band die wichtigen Währungen Europas aneinander, ließ aber Schwankungen und Korrekturen der Wechselkurse zu. Interessant auch diese Eigenschaft: Um den harten Kern des EWS kreisten Satelliten, die sich an den gleichen Regeln orientierten, ohne dazuzugehören; hinzu kamen Währungen, die sich kontinuierlich dem Kern annäherten.

Ein intelligentes System - allerdings mit einem entscheidenden Fehler: Nach zwei Krisen 1992 und 1993 ist es aus den Fugen geraten.

Dennoch spricht viel dafür, es mit einer modifizierten Neuauflage zu versuchen. Denn mit dem Euro würde eine einzige starke Währung den Kern bilden. Und ein stabiler Kern wäre ein starker Magnet, der alle Währungen anziehen würde. Ausschläge bleiben möglich, aber je schneller ein Land in die Währungsunion will, desto weniger sollte seine Währung schwanken. In jedem Fall müßte die künftige Europäische Zentralbank die Kompetenz besitzen, in das Kursgefüge korrigierend einzugreifen. Das wäre die entscheidende Qualität eines neuen EWS: Wer sich ihm anschließt, muß die Europäische Zentralbank als oberste monetäre Autorität anerkennen. Sie muß die Macht haben, zu verhindern, daß sich ein Land mit gezielter Abwertung Wettbewerbsvorteile erschleicht. Wer als EU-Mitglied die Ziele von Maastricht akzeptiert hat, darf sich dem nur um den Preis harter Sanktionen entziehen.

Bleibt die Frage: Was ist zu tun, wenn sich ein Land dem Sog des Euro-Kerns bewußt entzieht? Dann disqualifiziert es sich für eine Aufnahme in die Währungsunion, wann auch immer. Wetten, daß sich dies sogar London zweimal überlegen würde?