Stockholm

König Göran, so hatten die Bürger des sörmländischen Städtchens Katrineholm damals ihren ziemlich selbstherrlichen Gemeinderatsvorsitzenden genannt. König ist falsch. Dann schon eher Präsident. Denn "ich bin für die Einführung der Republik", hatte Göran Persson ihnen entgegengehalten. Seine Jahre 1985 bis 1989 als Provinzbürgermeister nennt er die bisher besten seiner Karriere. Das war für ihn eine vergleichsweise gemütliche Zeit.

Göran Persson, der Schweden den härtesten Sparkurs aller Zeiten beschert hat, ist ein dicker Mann, der nachts gut schläft. Er ist 47 Jahre alt und hat Staatswissenschaften und Soziologie studiert, ohne Abschluß zwar, aber nicht ohne Erfolg. Persson liebt Herausforderungen, und er liebt die Macht. Während achtzehn Monaten als Finanzminister der sozialdemokratischen Minderheitsregierung von Ingvar Carlsson hat er durch harte Budgetpolitik und den ungerührten Abbau einer Reihe geheiligter Sozialleistungen den desolaten Haushalt des Königreichs wieder in normalere Bahnen gelenkt. Dafür ist ihm der Großteil seiner Landsleute dankbar. Die Finanzmärkte honorieren Perssons Standhaftigkeit mit wachsendem Zutrauen - der Kurs der schwedischen Währung steigt stetig, die Zinsen sinken. Dies brachte die Wende auch für die Staatsschuld, die sich seit wenigen Monaten stetig, wenn auch langsam vermindert. Und was dem überzeugten Anhänger der Europäischen Währungsunion Göran Persson wichtig ist: Schweden nähert sich den Maastrichter Konvergenzkriterien an.

Wir haben eine Periode der Defensive und des Verfalls hinter uns, erinnerte Persson als neu gewählter Parteivorsitzender auf dem Parteitag im März seine Sozialdemokraten. Die Grundlage der Politik sei geborgtes Geld gewesen. Es sei aber auf Dauer nicht möglich, den Wohlfahrtsstaat zu finanzieren, indem man auf den internationalen Kapitalmärkten Geld aufnehme. Entschieden widersprach er all jenen, die am liebsten schon wieder Entwarnung geblasen hätten: Schweden sei noch lange nicht über den Berg.

Als im letzten August Premier Ingvar Carlsson seinen Rücktritt lange im vorhinein ankündigte, galt der erfolgreiche Finanzminister umgehend als Kandidat für die Nachfolge. Doch Persson, der gerade eben eine Ehescheidung hinter sich und eine neue Partnerschaft begonnen hatte, lehnte aus privaten Gründen ab. Die Wunschkandidatin vieler Sozialdemokraten war ohnehin die volkstümliche Vizeregierungschefin Mona Sahlin. Als sie aber über die private Verwendung ihrer dienstlichen Kreditkarte stolperte und ihre Kandidatur zurückzog, richteten die Augen sich erneut auf Persson. Der wehrte sich: Er sei nicht daran interessiert, die Nummer eins zu werden, beteuerte er immer wieder, viel lieber bliebe er Finanzminister. Dieser Posten sei in Zeiten wie diesen ohnehin fast so wichtig wie der des Premiers.

Persson suggerierte damit seinen Landsleuten auch, daß er als Dompteur seiner ausgabenfreudigeren Ministerkollegen unersetzlich sei. Nachdem er die Öffentlichkeit und seine Partei aber lange genug hatte zappeln lassen, erklärte er die Bereitschaft zur Kandidatur.

Die Erleichterung war rundum groß. In Wahrheit aber, das war nun offenkundig, war seine Ziererei ein kühl kalkulierter Trick. Nach der wochenlangen Konzentration der Öffentlichkeit auf seine Person war die Partei nun praktisch vorbehaltlos auf Göran Persson eingeschworen.