Die Botschaft, die das Bonner Internationale Konversionszentrum (BICC) soeben verkündet hat, läßt hoffen. BICC-Direktor Herbert Wulf ist sich seiner Sache sicher: "Entgegen allen pessimistischen Erwartungen gibt es sie doch - die Friedensdividende."

Doch so ganz eindeutig ist das Ergebnis der bislang gründlichsten Untersuchung ("Conversion Survey 1996") über die zivile Umwidmung militärischer Ressourcen nicht. Zwar sind allein schon die gesunkenen Militärausgaben eine Dividende. Schließlich sind die seit Beginn ernsthafter Abrüstung Mitte der achtziger Jahre eingesparten Mittel - global 800 Milliarden bis 1,5 Billionen Dollar - nicht einfach versickert.

Dagegen steht allerdings die Kehrseite der Abrüstung - der Verlust von Millionen Arbeitsplätzen. Die Beschäftigten der Rüstungsindustrien sind eindeutige Verlierer der Friedensdividende. So sank die Zahl der weltweit in dieser Branche Tätigen von 17,5 Millionen (1987) auf 11,1 Millionen (1994). Hinzuzurechnen sind etwa fünf Millionen ehemalige Soldaten, die auf den Arbeitsmarkt drücken.

Der Verlust von Beschäftigung für über zehn Millionen Menschen ist die Hauptursache dafür, daß die allgemeine Erwartung, die eingesparten Mittel würden zur Verbesserung der sozialen Systeme oder der Entwicklungshilfe genutzt, gründlich enttäuscht wurde.

Der Abbau von Militärpotential verursacht zunächst Kosten: für die Vernichtung von Waffen, den Umbau militärischer Infrastruktur, für vorzeitige Pensionen wie für die Finanzierung zusätzlicher Arbeitslosigkeit.

Positive Effekte sind allerdings indirekt entstanden, wenn die freigewordenen Mittel für andere unerwartete Ausgaben verwendet wurden, wie zum Beispiel für die deutsche Vereinigung. Außerdem wurden auch Haushaltsdefizite abgebaut. Selbst Rußland, einige Staaten Osteuropas, Afrikas und Zentralamerikas, deren Etats vorher ruinös belastet waren, haben ihre Budgetlage wenigstens nicht verschlimmert. Und da Abbau von Staatsdefiziten in der Regel sinkende Zinsen bewirkt, die wiederum Wachstumsimpulse auslösen, ist auch das Friedensdividende.

Über die allgemeinen finanziellen Wirkungen von Rüstungskonversion hinaus hat BICC detailliert deren Auswirkungen auf die verschiedenen verteidigungsrelevanten Strukturen, die Demilitarisierung und besonders auf Wirtschaft und Forschung untersucht. Aufschlußreich ist die Entwicklung gerade dieser beiden Sektoren. Bei den weltweiten Forschungsausgaben hatten allein die beiden Supermächte früher einen Anteil von zusammen achtzig Prozent. Während die Vereinigten Staaten ihre Aufwendungen gegenüber dem Höchststand 1988 nur unwesentlich reduziert haben, hat Rußland die Mittel dafür halbiert. Der Transfer militärischen Know-hows in zivile Aufwendungen ist in Rußland aus finanziellen Gründen gescheitert. Die USA fördern diesen Transfer dagegen intensiv, insbesondere Technologien, die militärisch und zivil genutzt werden können.