Henry Wallace, seit zwei Jahren in Japan lebend und dafür geachtet, daß er der Küche des Landes die richtige Stäbchenhaltung entgegenbringt, gab sich einen Ruck: "Wenn man alles bedenkt, handelt es sich doch um eine gute Nachricht auf unserem Weg ins 21. Jahrhundert", erläuterte der 50jährige Ford-Manager seine Ernennung zum Chef von Mazda in Hiroshima. Aber dann setzte der breitschultrige Schotte unter seinem altmodischen Schnauzer ein gefrorenes Lächeln auf - und mußte seinen japanischen Zuhörern erst recht als Wolf im Schafsfell erscheinen.

Wie jeder Japaner zugleich wußte, war es nicht das erste Mal, daß die Amerikaner Hiroshima das Fürchten lehrten. Seit vor fünfzig Jahren die erste Atombombe Hiroshima vernichtete, hatte sich dort die Zahl der Gäste von der anderen Seite des Pazifiks immer in engen Grenzen gehalten: Weder amerikanische Präsidenten noch andere ranghohe US-Politiker besuchten je die Atombombenstadt.

Im vergangenen Jahr hatten die Meinungsunterschiede über das Gedenken des Atombombenabwurfs alle gemeinsamen Feiern zwischen Japanern und Amerikanern vereitelt. Für die Manager von Japans fünftgrößtem Autohersteller Mazda machte das die Entscheidung nicht einfacher.

Doch schließlich stand fest: Mit Henry Wallace sollte erstmals ein Ausländer im Namen eines amerikanischen Industrieunternehmens die Führung eines namhaften japanischen Konzerns übernehmen. Gleichzeitig stockte Ford seinen Mazda-Kapitalanteil von 24 auf 33 Prozent auf.

Brancheninsider, denen die seit 1979 bestehende Kooperation zwischen Mazda und Ford bekannt war, mochten dies für wenig überraschend halten. Doch in Hiroshima schlug die Nachricht wie eine Bombe ein. Über Nacht war ein in Amerika bezahlter Manager zum mächtigsten Mann der Millionenstadt aufgestiegen. 26 000 Arbeitsplätze im Mazda-Konzern und weitere 200 000 in den Zulieferbetrieben machen Mazda zum mit Abstand bedeutendsten Unternehmen der Stadt. Und nicht nur die direkt am Automobilgeschäft Beteiligten sind betroffen: Am Zahltag von Mazda wacht das Nachtleben von Hiroshima jeden Monat neu auf.

"Ich fühle mich ein bißchen alleingelassen, wenn die Firma in ausländische Hände fällt", sagte ein Geschäftsmann in Hiroshima.

Die Zeitung Yomiuri berichtete, in vielen Kleinbetrieben sei die schiere Überlebensangst ausgebrochen, nachdem Henry Wallace bereits in seiner ersten Pressekonferenz als Mazda-Chef Veränderungen im Verhältnis zu den Zulieferern für "unvermeidbar" erklärte.