Wien

Dieses Mal ist die Stimmung gar nicht so schlecht in der Stadt.

Eine Art Frühling in Wien. Das Land hat, nach langem Hin und Her, wieder eine Regierung, die alte zwar, aber nun regiert sie wieder, was schon eine ganze Weile lang nicht mehr selbstverständlich war und eines immerhin bewirkt hat: Nicht jedes Gespräch im Regierungs- und Kaffeehausviertel dreht sich um Jörg Haider, den Demagogen vom rechten Rand der Politik. Das ist ein Fortschritt.

Darauf trinken wir erst einmal eine Melange, und zwar im einstigen Winterpalais des legendären Prinz Eugen von Savoyen in der Himmelpfortgasse.

Immerhin bekommt man hier, so behauptet der heutige Hausherr, "die beste Melange in der Stadt", er selbst trinke eine ganze Menge davon. Sein niedriger Blutdruck mache das möglich, sagt er und lächelt sein Werbelächeln, mit blitzenden Zähnen im sonnenbrauen Gesicht.

Der Herr der Melangen ist das, was man in Wien einen feschen Mann nennt: Viktor Klima, 48 Jahre alt, der neue Stern am Firmament der österreichischen Politik. Lange Zeit war er ein Insider-Tip, nur den Headhuntern der personell erschöpften Sozialdemokratie bekannt, dann allmählich aufgestiegen und nun deutlich die anderen überstrahlend. Als Finanzminister ist er die rechte Hand des Bundeskanzlers, zuständig für die Grausamkeiten des umfangreichen Sparprogramms, das im Parlament an der Ringstraße in diesen Tagen debattiert und kommende Woche beschlossen wird. Dieser Viktor Klima ist ein waschechter Wiener mit böhmischen und ungarischen Vorfahren, ein studierter Wirtschaftswissenschaftler und gelernter Manager. Als politische Entdeckung Franz Vranitzkys gehört er seit 1992 der Bundesregierung an, zunächst als Verkehrsminister, seit dem 3.

Januar als Finanzminister. Obendrein aber ist er der Kronprinz der Republik.