Ein Hamburger Forschungsinstitut hat es wissenschaftlich vermessen: Einundzwanzig Prozent aller deutschen Männer schauen zuerst auf die Beine einer Frau. Auch Fritz Humer bevorzugt diese Blickrichtung.

Doch der 52jährige Diplomkaufmann geniert sich überhaupt nicht, wenn er dem schönen Geschlecht auf die Beine stiert.

Schließlich geht es bei ihm nicht nur um den ästhetischen Genuß, sondern um die Profession. Fritz Humer ist Chef eines Unternehmens, dessen Produkte Frauen aller Altersklassen gleichermaßen entzücken: Strumpfhosen von Wolford werden vom britischen Königshaus genauso präferiert wie auf den Laufstegen der Couturiers in Paris. Kein Preis scheint der betuchten Damenwelt in New York, London, Düsseldorf oder Mailand zu hoch für das hauchdünne Etwas aus der österreichischen Provinz. "Eine gute transparente Strumpfhose eines deutschen Herstellers kostet fünf Mark, eine transparente Wolford kostet dreißig Mark", sagt Humer.

Während im nahen Süddeutschland die Konkurrenz reihenweise Werke schließt, Fertigungen ins billige Osteuropa verlagert oder gar Konkurs anmelden muß, investieren die Strumpfstricker in Bregenz am Bodensee gerade neunzig Millionen Mark in einen Erweiterungsbau.

In weniger als einem Jahrzehnt ist das Unternehmen vom Lieferanten von Haus- und Handelsmarken für Großabnehmer zum Luxusgüterproduzenten mutiert. Ein Kunststück, das auch von den Anlegern honoriert wird: Seit die Wolford-"Lady Aktie" Anfang 1995 simultan an den Börsen in Wien und Paris plaziert wurde, hat sich ihr Kurs nahezu verfünffacht.

Doch was im nachhinein so einfach klingt, war eine durchaus riskante Strategie, zu deren Gelingen "auch viel Glück" gehörte, wie Humer freimütig einräumt.

Die Idee, in Vorarlberg am Ufer des Bodensees eine Fabrik für Damenstrümpfe aufzumachen, kam dem Wiener Walter Palmers und dem Bregenzer Reinhold Wolff im Jahr 1946. Die beiden Textilpioniere gaben der Firma den Kunstnamen Wolford. Ein Glücksfall. So manche Käuferin glaubt bis heute an die englische Provenienz ihrer nahtlosen Nylons. Nach der Aufbauphase in der Nachkriegszeit verlegten sich die Wolfordianer zunehmend auf die Produktion von Hausmarken internationaler Kaufhaus- und Textilfilialisten wie Marks & Spencer, Migros oder C & A.