Da will jemand nur ein bestimmtes Geisteswerk "inhaltlich und sprachlich auf den neuesten Stand" bringen und handelt sich von der Justiz den Vorwurf ein, er habe dessen Verfasser "sittenwidrig geschädigt". Wie kann das sein, was kann da sein?

Jemand wollte einen Doktortitel erwerben, wogegen ja an sich nichts einzuwenden ist. Der Haken an der Sache war allerdings, daß es zwar eine schriftliche Arbeit gab, die aber wegen der Emeritierung des Professors abgelehnt worden war - und keinen neuen Mentor, der diese Arbeit jetzt unter seine Fittiche nehmen wollte. Als sich schließlich jemand fand, der Hilfe versprach, war dies dem Verfasser immerhin die stattliche Summe von 45 000 Mark wert.

Welche Hilfe aber? An deren Einzelheiten hatten die Parteien durchaus verschiedene Erinnerungen, als sie sich schließlich vor Gericht wiedersahen. Der "Doktorand", nach wie vor ohne den begehrten Titel, aber um ein kleines Vermögen ärmer, wollte sein Geld wiederhaben.

Er meinte, daß ihm nicht nur eine "Überarbeitung" seines Manuskripts versprochen worden war, sondern die "Verschaffung" des Doktortitels.

Der "Helfer" wußte nur noch, daß er sich auf die Suche nach einem neuen Doktorvater machen sollte und daß es außerdem um "sprachliche Aktualisierung" ging.

Nun ist das Gericht ja, wie stets in solchen Fällen, nicht dabeigewesen und muß sich halt nachträglich seinen Reim darauf machen, was die Parteien sich gedacht haben mögen. Da traf es sich gut, daß sich in den Gerichtsakten ein Brief des "Helfers" fand, in dem er sich gegen die Rückzahlung jener 45 000 Mark zur Wehr setzte.

In diesem Schreiben geht er nämlich nicht nur recht unbefangen mit großen und kleinen Buchstaben um, sondern nimmt auch sonst einiges vorweg, was dem Deutsch an Reformen vielleicht noch ins Haus stehen mag. "Mit erstaunen nehme ich die Forderungen zur Kenntnis", so hieß es dort. Und dann weiter: "Ich werde nur das vereinbarte Honorar anerkennen und nicht das Geltend gemachte."