Der Sozialismus wurde vielfältig definiert, auch die Sozialdemokratie, aber kaum je der Sozialdemokrat. Wer ist das eigentlich, der Sozialdemokrat?

Dieser Tage gab es eine Antwort. Ein "typischer Sozialdemokrat", dozierte der Pforzheimer Oberbürgermeister Joachim Becker, selbst Sozialdemokrat (wenn auch kein typischer), sei einer, "dem der Angstschweiß auf die Stirn tritt, wenn er das Wort Leistung hört".

Das ist nicht nur gemein, sondern auch gar nicht so leicht zu verstehen. Meint der Pforzheimer Oberbürgermeister, Arbeitsunwilligkeit als Merkmal des typischen Sozialdemokraten ausmachen zu können?

Das würde an das unvorsichtige Wort des Parteifreundes Gerhard Schröder erinnern, der den typischen Wähler der Sozialdemokraten, den Lehrer, einst als faulen Sack bezeichnete.

Oder handelt es sich bei Beckers Vorstoß, was wahrscheinlicher ist, um eine politische Verortung des Sozialdemokraten? Der homo socialdemocratus als einer, der Leistungsbereitschaft als Ausgeburt egoistisch-individueller Triebhaftigkeit begreift - und damit als prinzipielle Gefahr für den sozialen Frieden?

Fragen, über die zu reden wäre. Doch in Bonn löste der Pforzheimer Beitrag zur parteiinternen Selbstfindungsdebatte keine Diskussion aus, sondern Mißfallen, um nicht zu sagen: Aggression. Hermann Scheer, beileibe ein leistungsstarker SPD-Parlamentarier, schrieb eine Replik nach Pforzheim, die es in sich hatte: "Dein Vokabular", notierte Scheer, "befindet sich mitten im Tümpel klassischer reaktionärer Volksverhetzung der SPD."

Becker, so Scheer weiter, "schmähe und verleumde" die ganze Sozialdemokratie, es sei deshalb ein "eklatanter Widerspruch, daß Du überhaupt noch Mitglied einer solchen Partei bist".