Es war der Traum eines jungen Mannes, der in der Schweiz einen Wirtschaftskrieg ausgelöst hat. Martin Ebner, ein hagerer Mann aus dem Örtchen Hurden am Zürichsee, hatte sich in jungen Jahren vorgenommen, die größte Schweizer Bank zu übernehmen. Jahrelang wurde er ob seiner Machtphantasien eher belächelt. Doch heute können auch die alteingesessenen Bankiers an der Zürcher Bahnhofstraße den mittlerweile 46jährigen nicht mehr ignorieren. Mit seiner Eigengründung, der BZ Bank, hat Ebner binnen zehn Jahren mehr als drei Milliarden Franken Eigenmittel angehäuft. Bei jedem neuen Umsatzrekord verwöhnt er seine vierzig Mitarbeiter mit geräuchertem Lachs und Beethovens Neunter aus dem Lautsprecher.

Auch seinem Ziel ist Ebner nähergekommen. Bereits heute ist er größter Einzelaktionär der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG), in der ganzen Welt ein Symbol gediegenen Schweizer Bankings. Aber das reicht ihm noch nicht.

Ebner ist für die Schweizer Unternehmer, was sein Studienkollege und Freund Christoph Blocher für die Schweizer Politiker ist: Wie der Zürcher Präsident der konservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) als radikaler Europa-Gegner die gesamte politische Klasse des Landes gegen sich weiß, so hatte Ebner bisher das Wirtschaftsestablishment geschlossen gegen sich. Wer den Finanzhai Ebner bei seinem Sturm auf die SBG unterstütze, so die Übereinkunft, verstieß gegen das fein abgestimmte "Old Boys Network" der Schweizer Wirtschaft, gegen den Filz von Militär und Rotary-Club.

Doch dann sprengte eine zentrale Figur des Establishments selbst das Machtkartell: Rainer Gut. Als Chef der CS Holding herrscht Gut über das Imperium der Schweizerischen Kreditanstalt mit 66 000 Mitarbeitern und ist dank seiner diversen Verwaltungsratsmandate (Nestlé, Schweizer Rück) der einflußreichste Bankier des Landes.

Er teilte der SBG telephonisch mit, er werde Ebner unterstützen, sollte die SBG nicht zur Fusion mit der CS Holding bereit sein.

Das bedeutet nicht, daß Gut die Ziele Ebners teilt, sondern nur, daß in der Schweiz heute selbst ein Bündnis mit dem größten Feind gestattet ist. Es herrscht Wirtschaftskrieg, und da sind alle Mittel recht.

Die Bankgesellschaft zahlte mit gleicher Münze zurück. Die Öffentlichkeit erfuhr von den Fusionsabsichten der CS Holding über den Zürcher Tages-Anzeiger, und es ist kaum anzunehmen, daß die Zeitung davon ohne kräftige Mithilfe der Bankgesellschaft Wind bekam. Jedenfalls steht Gut, wegen seiner Machtfülle "Zeus" genannt, nun als machtversessener Buhmann der Nation da. Die Fusion zwischen CS Holding und Bankgesellschaft dürfte heute kaum noch Chancen haben.