Am 26. Mai vergangenen Jahres feierten die Leute in einem kleinen Ort in der Nähe von Kiel Christi Himmelfahrt. Ian Lee S. und seine Freunde begaben sich schon am Nachmittag zum Bierzelt auf dem Bahnhofsvorplatz, man war "fröhlich beisammen" und hat "geschnackt".

Der 21jährige Ian Lee, ein großer, rothaariger Bursche, steht nach eigenem Bekunden "politisch eher rechts". Diese Einstellung und seine kämpferische Natur haben ihm schon mehrere Kontakte mit der Justiz eingetragen.

Von einem Aufnäher "Nazis Raus", den die damals vierzehnjährige Gymnasiastin Frauke W. trug, fühlte er sich an jenem Vatertag provoziert. Weil die Diskussionsrunde nicht beim Austausch von Argumenten blieb, werden Lee und seine Freundin Maja vor dem Jugendgericht in Kiel wegen Körperverletzung angeklagt.

Das ganze "Gequatsche mit der Frauke" war Lees Sache nicht, er bereute schnell, wegen ihres Aufnähers den Mund aufgemacht zu haben. "Die war ganz schön nervig", erinnert sich auch Lees Freundin Maja. "Immer so was mit Mölln und Solingen." Frauke, so zumindest die Version der beiden Angeklagten, ließ auch nicht locker, als Lee die Diskussion mit den Worten: "Ich hab' kein' Bock nicht, mich mit Kindern über Politik zu unterhalten" beenden wollte.

Danach habe er die "Faxen dicke" gehabt und das Mädchen weggeschubst, so Lee. Darauf muß Frauke aber nur gewartet haben, denn sofort habe es zwei Backpfeifen gesetzt. Die konnten einen Kerl wie Lee freilich nicht umhauen: "Da hab' ich nur gelacht."

Lee ist im Gericht mit Krawatte und einem weinroten Pullunder erschienen. Treuherzig versichert er nun der Richterin, auch wenn sie ihn ja wegen der anderen "dummen" Geschichten kenne, "an einer Frau, so klein und schmal wie die Frauke, da vergreif' ich mich nicht daran". Außerdem weiß der Recke: "Wenn ich hingelangt hätte, wär' die nicht wieder aufgestanden."

Damit könnte Lee recht haben, denn trotz Zentimeter dicker Stiefelsohlen ist die blonde Frauke eher klein und zierlich. Zu der fraglichen Politdiskussion mag sie nicht mehr sagen, als daß man "Meinungen" ausgetauscht habe. Das böse Wort "Nazischwein" soll dabei nicht gefallen sein. Plötzlich habe ihr Lee zweimal "richtig dicke" ins Gesicht gespuckt. Darauf habe sie ihn leicht geohrfeigt, danach hätten Lee und Maja sie ins Gesicht geschlagen. Majas Schlag sei nicht so schlimm gewesen, aber Lees Faust habe sie zu Boden geschleudert.