TOKIO. - Aller Freude über die verbesserten amerikanisch-japanischen Beziehungen bei Präsident Clintons Tokio-Besuch zum Trotz: Die meisten Amerikaner können mit Japan nicht viel anfangen. Irgend etwas an diesem fernen Land stört sie einfach. Eine kürzlich von der japanischen Botschaft in Washington in Auftrag gegebene Untersuchung zeigte, daß unter den Amerikanern immer noch eine weitverbreitete und tiefverwurzelte Abneigung gegenüber Japan herrscht.

Wenn es um die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan geht, denken die meisten Amerikaner an den "Wirtschaftskrieg", den Amerika verliert. Die Wirklichkeit sieht freilich anders aus.

Die amerikanische Wirtschaft ist relativ gesehen in besserem Zustand als die japanische.

Der Autor der Studie, Robert D. Deutsch, fand heraus, daß viele Amerikaner Nippon deshalb nicht mögen, weil es Erinnerungen an den Verlust alter Werte und moralischer Vorstellungen in den Vereinigten Staaten auslöst. Japan erinnert viele Amerikaner an ihr Land in den fünfziger Jahren. Damals war die Kriminalität kaum ein Problem für sie, die Familien waren intakt, und der Lebensstandard war hoch. Viele Amerikaner glauben, in Japan sei das heute noch so, und weil Amerika dagegen abfällt, sind sie zornig.

In der japanischen Botschaft in Washington sieht man andere Gründe für die amerikanische Haltung: Sie werden schlicht darauf zurückgeführt, daß die Amerikaner sich politisch immer stärker einigeln. Allerdings wird ein Großteil des sinkenden Interesses der Amerikaner an Japan auch den Japanern selbst zugeschrieben. Ein Mitarbeiter der japanischen Botschaft meint denn auch, seine Landsleute müßten den Amerikanern entgegenkommen. "Man kann ein Pferd zum Brunnen führen, aber man kann es nicht dazu veranlassen, zu trinken. Wir müssen dafür sorgen, daß das Wasser einen besseren Geschmack bekommt." Das dürfte eine Aufgabe auch nach dem vielgelobten Japan-Besuch Präsident Clintons bleiben.

Kevin Sullivan ist Japan-Korrespondent der Washington Post.