Auch wenn man den haselnußbraunen Augen des Dietmar Hagen eigentlich alles glauben muß, kann man sich einer Skepsis nicht erwehren, wenn der junge Mann auf seine Pläne für Werk 3 zu sprechen kommt.

"1200 Arbeiter", schreit er dann mit einer Begeisterung, daß die Hemdbrust zittert, "Essen für 1200 Arbeiter", ruft er und streckt die butterweißen Hände aus, als wolle er jetzt und sofort das erste Menü nach Barsinghausen rübertragen, in die Keksfabrik Bahlsen, Vollwerternährung proletariergerecht, sein nächstes Projekt, na das wird a varrückta Spaß werden!

Man ahnt es. Wenn gleich in der Denkzentrale von Bahlsen, Hannover/Podbielskistraße, das Kantinenessen ausgegeben ist, wenn er dann die Kochjacke ablegt, wird er zu den Hosen in bleu ein wunderschönes Leinensakko anrichten.

Man braucht nicht hinzusehen und weiß doch, die Füße stecken in diesem einfachen, teuren Schuhwerk. Und so jemand will demnächst Schichtarbeiter satt machen. Haben S' eigentlich, Herr Hagen aus Vorarlberg, schon mal a Frustrationserlebnis gehabt? "Nie!" ruft er und macht die Haselnüsse ganz rund, "das ist doch das Wahnsinnige!"

Sätze von Dietmar Hagen haben immer ein Ausrufezeichen.

Dietmar Hagen ist 27 Jahre alt, und es scheint wenig in seinem Kochleben zu geben, das er unprobiert an sich hat vorbeiziehen lassen. Trüffeln für die Wiener Schickeria anrichten, kochen mit Behinderten in Dortmund, Eßkultur für jugendliche Knackis entwickeln oder Diät für strahlengeschädigte Kinder in Weißrußland, you-name-it, er-kocht-es. Und es schmeckt: So wurde er übrigens Ernährungsberater in Hannover ("Na ja, Hannover", sagt er und rollt die Augen).

Es war bei einem dieser Essen im Hause eines Unternehmers, kleiner privater Kreis, so etwas bietet Hagen gerne als Zugabe an, wenn er zum Check-up einer Kantine angeheuert ist ("Bei solcher Gelegenheit", sagt er wie erstaunt, "ergibt sich ja oft schon das nächste Projekt!"), bei dieser Gelegenheit wurde natürlich auch über das Hagensche Konzept für die Massenverpflegung konversiert. Die Reduktion auf das Wesentliche. Nur ein Menü, dafür Hochwertiges. Frisches Gemüse, wirklich gar nichts aus der Tüte. Kaum Fleisch, aber kaltgepreßte Öle. Was der einen oder anderen Gattin vielleicht als Brigitte-Diät bekannt gewesen sein mag, ein Manager vertieft sich womöglich an einem solchen Abend zum ersten Mal in die Diätetik. "Ich glaube, dem Herrn Bahlsen hat's einfach gut geschmeckt", sagt Dietmar Hagen.