Die spektakulärste Entdeckung gelang durch puren Zufall. Während Tausende von Astronomen den Kometen Hyakutake beobachteten, enthüllten Garchinger Astrophysiker mit Hilfe des Satelliten Rosat, daß Hyakutake hochenergetische Röntgenstrahlung aussendet. "Dabei", so gesteht Rosat-Forscher Konrad Dennerl ein, "gab es für uns eigentlich gar keinen Grund hinzuschauen."

Denn Kometen sind frostige Gesellen. Die Temperaturen der Himmelsbrocken aus Eis und Staub liegen um den Gefrierpunkt. Um Röntgenstrahlung auszusenden, müßten die Himmelstrabanten dagegen rund eine Million Grad heiß sein. Dementsprechend groß ist jetzt die Aufregung.

Für die unerwarteten Röntgenstrahlen "gibt es bis jetzt keine endgültige Erklärung", meint der deutsche Kometenforscher Richard West. Und die Rosat-Gruppe am Garchinger Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik ist von ihrer Beobachtung so überrascht, daß sie über entsprechende Theorien noch debattiert.

Derzeit sind zwei Hypothesen im Umlauf. Beide vermuten die Ursache für die Kometenstrahlung in der Sonne. Deren sehr starkes Röntgenlicht könnte in den Wassermolekülen des Kometen Fluoreszenzeffekte hervorrufen, glauben die einen. Andere spekulieren, daß Hyakutakes ionisiertes Plasma die solaren Röntgenstrahlen reflektiert. Einigkeit herrscht lediglich darüber, daß Hyakutake ein wissenschaftlicher Glücksfall war. Gerade als der Komet der Erde am nächsten kam, verlor er einige Trümmer und leuchtete besonders hell. "Es war", freut sich Kometenforscher West, "als ob Hyakutake zeigen wollte, was er kann."

Schreckensnachrichten aus dem Kosmos, von Schwarzen Löchern und explodierenden Supernovae, nehmen die meisten Erdenbürger mit einer gewissen Gelassenheit auf. Ein Sicherheitsabstand von vielen hundert Lichtjahren gibt ihnen das Recht dazu. Realen Anlaß zur Sorge bieten dagegen geradezu lächerlich kleine Himmelskörper, Kometen und Meteorite. Kometen kommen der Erde immer wieder ungemütlich nahe. Zwar begeistern sie - wie jüngst Hyakutake - damit die Hobbyastronomen.

Ängstliche Naturen werden von den kosmischen Sendboten dagegen seit jeher zu Endzeitphantasien inspiriert. Denn seit seiner Entstehung haben unseren Planeten immer wieder Meteorite getroffen. Die dabei entfesselte kosmische Gewalt hat die Evolution des Lebens auf der Erde wahrscheinlich maßgeblich - und manchmal katastrophal - beeinflußt.

Als Quelle dieses Trommelfeuers aus dem All vermuten viele Astronomen seit langem den Asteroidengürtel - jenen Schwarm von Gesteinsbrocken, der zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter um die Sonne kreist. Asteroide sind im Durchschnitt nur einige Kilometer groß und unterscheiden sich durch die Zusammensetzung ihres Gesteins.