"Die kleinen Fußtäler zu besuchen", konstatierte der Dichter und Landgerichtsrat Karl Immermann, "gewährt ein großes Vergnügen.

Sie haben so etwas Heimlich-Beschloßnes, und alles, was man darin sieht, zieht sich, durch das Wasser verbunden, zu einem Ganzen zusammen." Immermann, 1796 geboren, lebte seit 1827 in Düsseldorf.

Von dort unternahm er immer wieder Fahrten. So entstanden neben seinen großen zeitkritischen Romanen "Die Epigonen" und "Münchhausen" auch einige Reiseberichte. Im September 1832 zum Beispiel unternahm er mit dem Kunsthistoriker Karl Schnaase eine Reise ins Ahrtal.

Zunächst war man mit Kutsche und Dampfschiff unterwegs, um über Köln, Bonn und Remagen das Ahrtal zu erreichen. "Bonn war wie immer unangenehm, dießmal durch strömenden Regen nach unangenehmem Nachtlager." Auch die Fahrt mit dem Dampfschiff rheinaufwärts ist völlig verregnet und zwingt die Passagiere unter Deck. In Remagen schließlich nimmt man Quartier in einem Gasthof und hofft auf besseres Wetter, um am nächsten Morgen das Ahrtal bereisen zu können.

Der kleine Fluß entspringt in der Eifel, kämpft sich durch enge Schluchten, bis er am Ende des inzwischen geräumigeren Tals zwischen Remagen und Sinzig in den Rhein mündet. Mitte des 19. Jahrhunderts finden die ersten Urlauber in das karge Tal, dessen Bewohner bis dahin vor allem vom Rotweinanbau lebten: Die neu entdeckten Quellen bei Neuenahr hatten aus dem Städtchen einen Badeort mit Spielbank gemacht und sorgten für einen weiteren Exportartikel: das Mineralwasser Apollinaris.

Die relative Abgeschiedenheit des Tals bei der gleichzeitigen Nähe zu Bonn führte in den Zeiten des Kalten Krieges dazu, daß eine Bunkeranlage in den Fels getrieben wurde, um im Verteidigungsfall die Bundesregierung zu retten. Vor allem für manche Beamte hatte dies zur Folge, daß sie in unzähligen Übungen jeweils einige Tage im Bunker verbringen und in Rollenspielen die Tauglichkeit der Anlage für die tatsächliche Politprominenz erproben mußten.

Von Badeort und Spielbank war 1832 noch keine Rede, so daß für Immermanns Tagebuch das Tal erst ab dem Städtchen Ahrweiler erwähnenswert war: "Ahrweiler liegt am Eingange des eigentlich engeren Ahrgrundes.