Das "rote Nizza" nannte man die Krim um die Jahrhundertwende.

Und "Allunionssanatorium" nach der Revolution. Wladimir Majakowskij indes gefiel keines der beiden Etiketten. "Unsere Krim ist unvergleichlich", rief er 1926 mit Dichterpathos aus. Viele Autorenkollegen taten es ihm gleich: Maxim Gorkij, Alexander Puschkin, Anna Achmatowa, Marina Zwetajewa, Anton Tschechow - sie alle lebten zeitweilig auf der klimatisch so angenehmen Krim und ließen sich von ihr zu literarischen Taten inspirieren.

Anhand dieser Dichtertexte kann man die Schwarzmeerhalbinsel noch heute bestens bereisen. Bis vor kurzem gab es - zumindest auf dem deutschsprachigen Büchermarkt - freilich auch kaum eine Alternative zu den poetischen Krim-Reiseführern. In den vergangenen Monaten sind jedoch auf einen Schlag gleich ein halbes Dutzend gedruckter Guides für die Halbinsel erschienen. Der umfassendste unter ihnen ist das Dumont Reisetaschenbuch Krim von Sabine Stöhr (Köln 1995; 240 Seiten, 19,80 Mark). Ausführlich, aktuell und kulturgeschichtlich exakt behandelt der Band neben touristischen auch politische Aspekte, befaßt sich mit der Geschichte und Gegenwart der Krimtartaren und dem Problem der russischen beziehungsweise ukrainischen Zugehörigkeit. Brauchbare Karten- und Stadtskizzen sowie Angabe von Orts- und Straßennamen sowohl in lateinischer als auch in kyrillischer Schrift erleichtern dem Reisenden die individuelle Fortbewegung vor Ort.

Sabine Stöhr, die nicht nur Slawistik und osteuropäische Geschichte studiert hat, sondern gemeinsam mit einem ukrainischen Touristikunternehmen auch Gruppen- und Individual-Reisen auf die Krim organisiert, plaudert zudem lebhaft über weniger bekannte Details: wie die Fischsoßen-Tradition von Chersones oder die frischen Blumen, die täglich an dem von Puschkin besungenen Brunnen des Palastes von Bachtschissaraij liegen. Man erfährt etwas über das Studentenleben in Simferopol und das Wirken des Dichters und Malers Maxiliam Woloschin.

Ähnlich zuverlässig wie Sabine Stöhr auf dem Sektor Kultur, jedoch weniger detailliert, arbeitete das Autorenteam Dagmar Köck, Gwendolyn Sasse, Stephan Hille, Jan Schimanski. Sein gemeinsamer Band trägt den Titel Die Krim entdecken (Trescher Verlag, Berlin 1995; 240 Seiten, 26,80 Mark) und wendet sich vor allem an Touristen, die auf eigene Faust und abseits bekannter Wege die Halbinsel erkunden wollen.

Die Zielgruppe, die Helga Ewert mit ihrem Krim Reiseführer (G & M Verlag, Köln 1995; 120 Seiten, 14,80 Mark) ansprechen möchte, sind in der Hauptsache Reisende, die ihren Aufenthalt auf das touristisch am weitesten erschlossene Jalta und die Region des sogenannten Groß-Jalta beschränken. In diesen Gebieten schlägt die Autorin kleinere Spazierrouten vor oder verweist auf Ausflugsmöglichkeiten wie die Helikopterflüge (mit Landung) zu den beiden Karstbergen Demerdschi und Taschtyr-Dag.

Irritierend ist in diesem Band zuweilen die Zusammenhanglosigkeit von Sätzen. Außerdem fragt sich der Leser, warum auf mehr als einer halben Seite der Erdgeschoßgrundriß des "Hotels Jalta" abgedruckt wurde, sich die Skizze der Stadt hingegen auf einen Ausschnitt des Hafens beschränkt und zudem im Miniaturformat wiedergegeben wurde. Auch bei den anderen Orten sucht man vergeblich nach Orientierungsplänen.