DILLENBURG. - Der Wilhelmsplatz in der hessischen Kleinstadt sieht aus wie viele Plätze in deutschen Kleinstädten: asphaltiert, leer, gesichtslos. Einige der umliegenden mittelalterlichen Fachwerkhäuser präsentieren sich Eternit-verschalt. Und wo eine historische Häuserzeile den dreieckigen Platz einst begrenzte, ragt jetzt ein Kastenbau der Sparkasse empor.

Wenigstens den Wilhelmsplatz selbst will die Stadt nun sanieren.

So, wie er früher aussah, soll er wieder werden. Und deshalb soll auch das Prunkstück von früher wieder her: ein Kriegerdenkmal.

Es erinnert an die neunzehn Gefallenen Dillenburgs im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71.

Bis 1970 hatte das rund fünf Meter hohe Monument den Wilhelmsplatz beherrscht, eine Art Siegessäule mit einem riesigen eisernen Preußen-Adler auf der Spitze. Wegen Bauarbeiten an der Kanalisation mußte es damals weichen. Seitdem gammeln seine Einzelteile in einem Bauhof vor sich hin. Der Adler hat inzwischen reichlich Rost angesetzt, und die vier schweren Steinplatten mit den Namen der Opfer wurden schon mal als Gewichte zweckentfremdet.

Ende Februar beschloß eine Mehrheit aus CDU, Republikanern, Bürgerliste und Freier Wählergemeinschaft (FWG) im Bauausschuß, das Denkmal zu restaurieren und an seinem alten Platz wieder aufzustellen.

Im März sollten die Stadtverordneten darüber entscheiden, doch wurde der Punkt kurzerhand von der Tagesordnung gestrichen. Denn seit der Plan publik wurde, spaltet das Denkmal die Dillenburger; auf den Leserbriefseiten der Lokalpresse tobt fast schon eine Art Bürgerkrieg.