BONN. - Wird in Nigeria die Rechnung der Mörder aufgehen, oder erfüllt sich die Hoffnung ihrer Opfer? Dies sei die entscheidende Frage für die weitere Entwicklung Nigerias, hat ein Freund Ken Saro-Wiwas nach dessen Ermordung geurteilt. Nun aber will die nigerianische Militärjunta neunzehn weitere Ogoni, die fast alle seit 1994 inhaftiert sind, hinrichten - mit der gleichen Anklage und in einem Verfahren, das jedem Recht Hohn spricht. Sie brauchen unsere Hilfe - und die der Politik.

In Nigeria wird jede Opposition gegen die Militärdiktatur brutal und konsequent verfolgt. Der 1993 frei gewählte Regierungschef Abiola ist inhaftiert. Gewerkschaftsführer werden drangsaliert.

Menschenrechtsaktivisten und Rechtsanwälte erhalten lange Gefängnisstrafen.

Kritischen Journalisten geht es nicht besser. Massenhinrichtungen werden zum Teil öffentlich vollstreckt.

Die neunzehn Ogoni leiden, zusammen mit vielen anderen, unter fürchterlichen Haftbedingungen. Zwei von ihnen sollen sogar lebensgefährlich erkrankt sein. Ihnen kann es wie Clement Tusima, auch ein Ogoni, gehen, der nach monatelanger schwerer Krankheit im Gefängnis starb, weil ihm ärztliche Hilfe verweigert wurde. Als "Hölle" hat der Vorsitzende der katholischen Gefängnisseelsorger Obiora Ike die Situation in den Haftanstalten bei einem Besuch in Deutschland bezeichnet.

Amnesty international und andere Menschenrechts- und Umweltorganisationen versuchen, das Leben der neunzehn Ogoni zu retten. Dabei brauchen sie jede Unterstützung. Die brutale Entschlossenheit des Diktators General Abacha ist bekannt. Dennoch sollte alles versucht werden, um Druck auf Nigeria auszuüben: Die regierende Militärjunta muß die Angeklagten entweder freilassen oder ein faires Verfahren gewährleisten, in dem die Todesstrafe ausgeschlossen ist.

Die Regierungen der EU und die Bundesregierung müssen jetzt beweisen, daß ihre Entrüstung über die Morde in Nigeria mehr ist als pflichtschuldige Rhetorik. Ende April entscheidet die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in Genf, ob Nigeria in einer Resolution verurteilt und ein Sonderberichterstatter dorthin geschickt wird.