Ohne die nationalistische Bewegung wäre ... Korsika genauso zubetoniert wie die Balearen; der Naturschutzpark und die Universität würden nicht existieren, die Sprache wäre tot ... Doch das Wiederkäuen der immer gleichen Worte und Klagen ermüdet. Und Korsika verdient mehr als routiniertes Bedauern.

Gabriel Xavier Culioli, Autor des Buches

"Complexe Corse", in Le Monde Diplomatique

Natürlich finden sich auch in Lama die üblichen Klischees. Das zur Wildschweinjagd so beliebte Kaliber-Zwölf-Gewehr beispielsweise steht auch in Pierre-Jean Costas Haus direkt neben der Garderobe.

Die Waffe ist samt wohlgefülltem Patronengurt jederzeit greifbar.

Aber was besagt das schon, es besagt gar nichts.

Lama ist alles andere als ein korsisches Bergdorf, mit dessen Namen sich die Mythen und traumatischen Geschichten um den vergeblichen Freiheitskampf dieser Insel weiterspinnen ließen. Den zeitgenössischen separatistischen Organisationen sei es zwar gelungen, dem politischen und kulturellen Leben der Insel neue Dynamik zu geben, schreibt Culioli in seinem Le Monde-Beitrag, doch heute verstrickten sie sich in haßerfüllte und tragische Rivalitäten. Zwar wurden bei der jüngsten Serie von Bombenanschlägen zur Jahreswende keine Menschen verletzt. Doch für Außenstehende ist kaum nachzuvollziehen, wohin die in verschiedene Untergruppen zersplitterte "Bewegung" tendiert. In Lama jedenfalls scheint sich die Entwicklung unbeeindruckt von den politischen Ereignissen zu vollziehen: Seit es sich mit Stolz seiner Geschichte und seiner Altvordern erinnert, erlebt das ganzjährig nur von 120 Einwohnern bevölkerte Dorf eine Renaissance.