Wenn man den Salon betritt, so hängt gleich links ein Bild, von dem man sich irritiert abwendet, und blickt hilfesuchend nach der Führerin. Die kennt das schon und erklärt: "Nein, das ist kein Bild, das diesen Salon zeigt. Es ist das alte Bild eines alten Salons. Praz hat seinen nach diesem Bild eingerichtet."

Mario Praz (1896-1982) war Professor für Komparatistik, ein Gelehrter, ein Unikum und ein Sammler. Er hat viel geschrieben. Vor allem kleine Aufsätze, Miszellen, in denen er Beobachtungen mitteilt, Lesefrüchte zur Kenntnis bringt. Alle paar Jahre hat er sie dann zusammengefaßt, und so wurde aus einem wunderbaren Zwischenrufer einer der großen wissenschaftlichen Autoren dieses Jahrhunderts.

In seinen Essays beschäftigt er sich mit der Geschichte der künstlichen Blumen, mit Swinburne, mit Fahrrädern und der Geschichte der Sphinx.

Ihn interessierte alles, was eine Geschichte hatte, und von allem interessierte ihn nur die Geschichte. Sie war ihm kein Stoff für Epen, sondern das Paradies für Besserwisser. Die kleine Korrektur, die allen bisherigen Lesern entgangene Anspielung, die Aufdeckung eines ironischen Untertones - das interessierte ihn. Die großen Entwürfe, die Weltgeschichte, deren Tragik, deren Sinn oder Unsinn - das alles brauchte und goutierte er, weil es ein so dekorativer Hintergrund für die kleinen Sticheleien war, die auszuteilen er liebte.

Die Wohnung, in der er von 1969 bis zu seinem Tode lebte, ist jetzt ein Museum. Es empfiehlt sich, sich anzumelden. Man darf es nur mit einer Führerin durchstreifen. Sie zeigt einem die hübschen Petit-point-Arbeiten, die der Herr Professor selbst am Stickrahmen ausgeführt hat. Sie erzählt die Geschichten zu jedem Bild, zu jeder Lampe, zu jedem Möbelstück.

Mario Praz war bei seiner Wohnung das wichtigste, daß er, hatte er sie betreten, nichts mehr mit der Gegenwart zu tun hatte. Er lebte im Empire. Das Radio wurde so raffiniert mit Holz verkleidet, daß man glauben könnte, schon Napoleon habe es bei seinen Feldzügen dabeigehabt. Eine Wahnwelt.

Wovon hat er all das bezahlt? Er war nicht reich, hatte fast nur sein Gehalt als Professor. Davon hätte er sich nicht einmal einen der kostbaren Schränke leisten können, geschweige denn die Bilder der Marguerite Gérard oder den Hackert. Die Führerin lacht. "Niemand weiß, woher er das Geld hatte. Einige Erben dachten, im Nachlaß würde man vielleicht geheime Vermögen finden, Papiere, Aktien.