Früher, grob gerechnet dreißig Jahre ist das her, begann so mancher Tag mit einer Schußwunde. Franco Nero zum Beispiel schleppte einen Sarg hinter sich her, schwieg die meiste Zeit, und wenn er doch was sagte, tat er es nicht selber, sondern ließ sein Maschinengewehr sprechen. Clint Eastwood machte auch nicht viel Worte, ritt für ein paar Tage und ebenso viele Dollar in Almeria ein, wo ihm Marianne Koch einen sengenden Blick zuwarf, und wenn sein Gewehr schwieg, verließ er die Stadt auch schon wieder. Um den Friedhof würde sich schon wer kümmern.

Das war immer lustig anzusehen, aber eben Kino. In Berkeley machten Bobby Seale und Huey Newton 1966 ernst damit. Sie zogen schwarze Klamotten an, vergaßen auch die Spanienkämpfermütze nicht und trugen fortan Schnellfeuergewehre. Wenn der weiße Mann die Straße beherrschte, dann mußte sich der schwarze wehren. Die Black Panther waren Ende der sechziger Jahre eine Spaßguerilla, die sich mit ein paar Zitaten von Che Guevara, Frantz Fanon und dem guten Onkel Mao ausstaffierte und die vietnamverunsicherten Amerikaner ein wenig erschreckte. Die Schwarzen Panther begnügten sich nicht mit Bürgerrechts- und Friedensmärschen, wollten nicht bloß im Traum das Gelobte Land sehen, sondern hier und jetzt und mitten in Amerika.

Die Revolution ist dann wider Erwarten doch ausgeblieben. In New York bei Lenny Bernstein, auch in manchen europäischen Salons pflog man vorübergehend einen radical chic, sammelte Geld für die Panther, aber sie lohnten es einem nicht, zerrieben sich in Flügelkämpfen, bejubelten jeden Parteiausschluß als Sieg und jeden Gefangenen, den die Polizei machte, als Märtyrer.

Dreißig Jahre später hat Mario Van Peebles einen Film über diese Episode aus den Sechzigern gedreht, den jedes Räuber-und-Gendarm-Spiel an historischem Tiefgang übertrifft. Peebles feiert noch einmal die verschworene Gemeinschaft, die für die gute Sache kämpft und deshalb von der bösen, bösen Welt erbarmungslos bedrängt wird.

Sein Film ist schlicht, paranoid und sehr, sehr schwarz. Der Oliver-Stone-Wanderpokal ist ihm dieses Jahr sicher.

Der weiße Mann ist böse und überfährt mit seinem weißen Auto ein radfahrendes schwarzes Kind. Der weiße Mann hat aber kein Kind totgefahren, sondern dem ganzen schwarzen Volk den Krieg erklärt.

Der weiße Mann ist vornehmlich Polizist und also ein "Schwein", und außerdem ahnt er aber auch schon gar nichts vom schwarzen Stolz. Der weiße Mann, damit gehen wir getröstet nach Haus, der weiße Mann ist nämlich nicht schwarz. Dafür ist er an allem schuld.