BONN. - Der 83jährige ehemalige Wehrmachtsgeneral Ernst Otto Remer hat viele Lebensstationen hinter sich; die vorerst letzte, Hausarrest im spanischen Marbella, durfte er kürzlich verlassen. Heimatlichen Boden muß er jedoch meiden, dort wird er per Haftbefehl gesucht.

Hätte der Nationale Gerichtshof in Madrid das Bonner Auslieferungsersuchen nicht negativ beschieden, säße Remer jetzt hinter deutschen Gittern, 22 Monate lang. Dazu hatte ihn das Landgericht Schweinfurt 1992 wegen Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenhaß rechtskräftig verurteilt.

Dem Haftantritt im März 1994 hatte sich der betagte Neonazi durch seine Flucht nach Spanien entzogen. Und da die spanische Justiz Delikte wie Volksverhetzung nicht kennt, Remer sich außerdem darauf beschränkt habe, "die historische Wahrheit zu leugnen" - im konkreten Fall die Ermordung der Juden durch die Nationalsozialisten -, darf Ernst Otto Remer sich weiter in Spanien sonnen; als ein deutscher Rentner unter vielen.

Seit der Nazigeneral für kurze Zeit als Hitlers Retter ins Rampenlicht der Geschichte gerückt war - Remer hatte sich im Zusammenhang mit dem Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 maßgeblich an der Niederschlagung des deutschen Widerstands beteiligt -, hat er auch in den Kriminalakten einen zweifelhaften Platz - wegen rechtsradikaler Haßparolen, aber auch wegen Steuerhinterziehung sowie Unterschlagung. Die politische Betätigung des unverbesserlichen Rechtsextremisten während der Nachkriegszeit, unter anderem bei der später verbotenen SRP, führte 1959 zum Verlust seiner Pensionsansprüche als Generalmajor.

Durch einen Gnadenerlaß des früheren Bundespräsidenten Walter Scheel erhielt Remer dann 1974 rund sechzig Prozent des erdienten Ruhegehalts zurück. Nachdem er jedoch die damit verbundene Auflage - Verzicht auf faschistische Parolen - ignorierte und 1985 wegen Verleumdung der Widerstandskämpfer des 20. Juli zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, widerrief der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1986 den Gnadenerlaß seines Vorgängers. Seither bezieht Ernst Otto Remer eine Rente der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, bei der er nach dem endgültigen Pensionsverlust für seine Wehrmachtszeiten nachversichert wurde. Und Renten sind eben sicher - selbst bei Verbrechen.