BONN. - Reformen in deutschen Amtsstuben tuen not. Darauf verweist die öffentliche Meinung mit zunehmender Eindringlichkeit. Auch in der Verwaltung findet diese Forderung immer mehr Anhänger.

Mehr Effizienz und Wirtschaftlichkeit, neue Steuerungsmethoden, Kostentransparenz, Controlling, Qualitätsmanagement, Aufgaben- und Leistungsabbau, Verwaltung als Dienstleister, stärkere Kundenorientierung - so lauten die wichtigsten Schlagworte zur Reform der Verwaltung in Deutschland. Auf eine Kurzformel gebracht, ist daraus in der öffentlichen Diskussion das politische Postulat der neunziger Jahre geworden: Knappe Finanzmittel - schlanke Verwaltung. In Anlehnung an die Privatwirtschaft mit ihren Zielen Lean Management und Lean Production wird die Verschlankung der Verwaltung von manchen zum Allheilmittel gegen die steigende Verschuldung und Finanzkrise der öffentlichen Hand erhoben.

Auch gibt es immer noch zahlreiche Anhänger der "Rasenmäher-Methode", die eine Verwaltungsreform durch Rationalisierungsmaßnahmen, also durch rigorosen Leistungs- und Personalabbau, realisieren wollen.

Die Erfahrungen mit den bisherigen Reformprojekten zeigen jedoch, daß sich der Umbau des öffentlichen Sektors nicht so einfach bewerkstelligen läßt. Dazu sind die Aufgabenstellungen wie die Methoden der Aufgabenwahrnehmung im öffentlichen und im privaten Sektor noch zu unterschiedlich.

Die Schlankheitskur ist kein für alle Behörden oder Verwaltungseinheiten gültiges Reformrezept. Vielmehr muß jede Verwaltung für sich den eigenen, richtigen Weg zur Reform finden, mühsam, aber wahr.

Vergleicht man Bund, Länder und Kommunen, so fällt auf, daß der Bund mit seinen 325 000 Beschäftigten trotz aller Ankündigungen bisher am wenigsten für die Modernisierung seiner Verwaltung unternommen hat. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt, daß demgegenüber die sechzehn Länder inzwischen ein breites Spektrum von Reformansätzen erproben. Meist erwarteten Politiker jedoch bei diesen Ansätzen: Reformen müssen schnelle Ergebnisse bringen, vor allem spürbare Einsparungen beim Personal und beim Sachetat!

Diese Erwartung wird eine - richtig verstandene - Reform nicht in den kurzen Zeiträumen erfüllen können, in denen Politiker zu rechnen pflegen (Monate - Jahre - Wahlperioden). Eher ist zu befürchten, daß die Finanznot auf mittlere Dauer nicht als Motor, sondern als Bremse für den Reformprozeß wirkt. Denn wenn die Finanzkrise sich weiter verschärft, schließt sich möglicherweise das noch offene "Reformfenster". In der öffentlichen Verwaltung findet dann nur noch Krisenmanagement als Haushaltskonsolidierung und pauschaler Personalabbau statt.