In Scharen lockte das sonnige Wetter am vergangenen Wochenende, dem letzten der Osterferien in Nordrhein-Westfalen, die Schaulustigen nach Düsseldorf: Sightseeing-Tour zum verschmorten Flughafen. Aus Münster, Leverkusen und sonstwoher kommen sie, wie an den Autokennzeichen abzulesen ist, und sind zunächst enttäuscht: Von weitem sieht man ja gar nichts. Im Parkhaus ist es dann aber zumindest zu riechen: Beißender Brandgeruch hängt auch Tage nach dem Unglück noch in der Luft.

Das Abfertigungsgebäude zeigt von außen nur wenige Brandspuren, doch innen besteht es bloß noch aus einem schwarzen Loch. Die automatischen Glastüren zu den Flugsteigen A und B, dort, wo Rauch und Feuer am meisten wüteten, sind mit einer dicken Rußschicht überzogen. Durch die weniger verschmierten Eingänge zum Gate C kann man Arbeiter in einer Art Astronauten-Overall herumstaksen sehen, die bereits mit Aufräumarbeiten begonnen haben. Zunächst behängen sie die Türen von innen mit Folie, um sich gegen neugierige Blicke abzuschirmen.

Auf der Zufahrt zur oberen, der Abflugebene, hält ein Absperrband die Neugierigen kaum davon ab, die Stelle zu begutachten, von wo aus die Katastrophe ihren Ausgang nahm: eine unscheinbare Baustelle am Fahrbahnrand. Schweißer reparierten hier in Metallschienen gefaßte Dehnungsfugen. Große Rollen des Bitumen und anderes Arbeitsmaterial liegen noch da, als machten die Arbeiter nur mal kurz Pause. Ein Duisburger Katastrophentourist, offenbar vom Fach, meint nach einem Blick auf die Metallschienen: "Da is' ja nur gepunktet worden, viele Schweißarbeiten sind hier gar nicht gemacht worden."

Die Ursache der Feuerkatastrophe vom vergangenen Donnerstag, das gilt inzwischen als sicher, war heißes Bitumen, das - von den Arbeitern offenbar unbemerkt - in einen darunter liegenden Hohlraum getropft war. In der Zwischendecke voller Kabelstränge und Versorgungsleitungen breitete sich das Feuer mit rasender Geschwindigkeit aus und brach schließlich im Untergeschoß, in der Ankunftebene, durch die Decke.

Erste Messungen des Rußes im Flughafengebäude haben bis zu 123 Mikrogramm Dioxin pro Kilogramm ergeben, das Zehnfache des Grenzwertes der Gefahrstoffverordnung. Die Reinigungs- und Sanierungsmaßnahmen, mit denen am Flugsteig C am Wochenende begonnen wurde, werden daher unter Vollschutz durchgeführt. Die Beschäftigten dürfen nur begrenzte Zeit pro Tag arbeiten und werden arbeitsmedizinisch betreut.

Außerhalb des Flughafens sind offenbar keine Belastungen festzustellen. Die Werte, die vom Landesumweltamt im angrenzenden Stadtteil Unterrath gemessen wurden, liegen zwischen 0,6 und 2,6 Nanogramm Dioxin je Kilogramm Boden und entsprechen damit nach Angaben der Stadt der üblichen Belastung. Dies belege, daß die Rußwolke den Flughafen kaum verlassen habe.