Das Interesse der Futurologen gilt den Kriegen und Seuchen, dem Weltklima und der Gentechnik. Zu den Büchern und Bildern, den Filmen und Bauwerken von morgen schweigen sie. Liegt das daran, daß die Kunst kein "Angstthema" ist?

(...)

Wer nicht wenigstens gelegentlich am guten Ausgang einer Sache zweifelt, braucht keine Futurologie - gleichgültig, ob es sich um einen Orakelspruch, eine astrologische Expertise oder um eine aktuelle Trendanalyse handelt. Ohne Anlässe für Angst und Sorge würde sich das Interesse an der Zukunft erübrigen; wer halbwegs überzeugt wäre, daß er ein langes Leben in Glück, Reichtum und Weisheit führen wird, engagiert gewiß keine Seher und Wahrsager.

(...)

Daraus folgt im Umkehrschluß: Die Vorstellungen von unserer kulturellen Zukunft sehen womöglich deshalb so mager und nichtssagend aus, weil sie sich auf keine besonders tiefgreifenden Ängste beziehen lassen.

(...)