Hat das Goethe-Institut mit Goethe zu tun? Ja, leider. Seitdem 1919 im Auswärtigen Amt in Berlin zum ersten Mal eine Kulturabteilung geschaffen, 1925 in München eine "Deutsche Akademie" gegründet und 1932 von ihr ein erstes "Goethe-Institut" ins Leben gerufen wurde, könnten als Türspruch über allen Instituten Verse stehen, die der Dichter in Weimar geschrieben hat, als er den ersten Akt von "Faust II" begann.

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Da jammert des Kaisers Schatzmeister: "Wer wird auf Bundsgenossen pochen! / Subsidien, die man uns versprochen, / Wie Röhrenwasser bleiben aus . . . / Auch auf Parteien, wie sie heißen, / Ist heutzutage kein Verlaß. / Wer jetzt will seinem Nachbar helfen? / Ein jeder hat für sich zu tun. / Die Goldespforten sind verrammelt. / Ein jeder kratzt und scharrt und sammelt, / Und unsre Kassen bleiben leer." In die Klage stimmt der Marschalk ein: "Welch Unheil muß auch ich erfahren! / Wir sollen alle Tage sparen / Und brauchen alle Tage mehr."

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Wenn man sieht, wofür die an den falschen Stellen sparende Bundesregierung noch immer Geld hat, bei den Privilegien für Beamte angefangen, wundert man sich, daß es in dem halben Jahrzehnt seit der deutschen Einheit nicht gelungen ist, die auswärtige Kulturpolitik zu überdenken und auf eine neue, der veränderten politischen Wirklichkeit angepaßte Grundlage zu stellen. Blind wird mit dem Rotstift regiert.

Ohne Dementi aus Bonn meldet die Deutsche Presse-Agentur (dpa): "Geld für Fregatten statt für Goethe". Weil der Bundeskanzler, was ja schön ist, den ehemals zur Sowjetunion gehörenden Staaten ein Deutsch-Lernprogramm spendiert hat, ohne sich um Einzelheiten der Finanzierung zu kümmern, muß an anderer Stelle gespart werden. So ist weniger Geld für die Programm-Arbeit der Goethe-Institute (GI) da, und die Alexander von Humboldt-Stiftung kann nicht mehr 600, sondern nur noch 450 junge Wissenschaftler mit einem Stipendium nach Deutschland einladen. "Während der Außenminister Klaus Kinkel (FDP) versucht, wenigstens noch einige Millionen durch Grundstücksverkäufe für die Kulturpolitik aufzutreiben, fließen aus seinem Gesamtetat 150 Millionen Mark in Subventionen zum Bau von zwei Kriegs-Fregatten für die Türkei" (dpa).