Würde Preußenkönig Friedrich der Große noch leben, er säße heute vielleicht im Vorstand oder Aufsichtsrat einer deutschen Bank. Denn schon vor gut 225 Jahren hatte er das, was man in Finanzkreisen ein "goldenes Händchen" nennt. Damals, als das preußische Schlesien nach dem Siebenjährigen Krieg in Trümmern lag, Geld und Kredite knapp waren, hatte Preußens König eine Idee: Er erlaubte seinen Großgrundbesitzern, sich zur sogenannten Schlesischen Landschaft zusammenzuschließen. Die sollte dringend benötigte Kredite verleihen. Um die zu finanzieren, diente ihnen der adelige Grundbesitz als Pfand.

Der deutsche Pfandbrief war geboren, und der königliche Einfall hat bis heute überlebt. Denn Pfandbriefe sind auch heute noch Schuldverschreibungen, durch deren Verkauf sich die Banken, die an die Stelle der preußischen Großgrundbesitzer getreten sind, das Geld besorgen, das sie anschließend an ihre Kreditkunden als Darlehen vergeben können.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg erwies sich der Pfandbrief als finanztechnischer Nothelfer: Viele zerstörte deutsche Städte wurden mit Hilfe solcher Kredite wiederaufgebaut. Seit den achtziger Jahren aber wurde der in die Jahre gekommene Pfandbrief am Finanzmarkt eher mitleidig belächelt. Er galt als Langweiler unter den modernen Anlageformen und rückte in die Nähe des antiquierten Sparstrumpfes. Analysten lästerten regelmäßig und nannten die Schuldverschreibung despektierlich "Opas Pfandbrief".

Doch der deutsche Pfandbrief feiert nun sein Comeback. Seit gut einem Jahr bemühen sich Hypothekenbanken und Börsen darum, das angestaubte Image dieser Geldanlage aufzupolieren.

Aufbauen konnten die Reformer auf dem untadeligen Ruf, den diese Anlageform seit jeher beim deutschen Anleger genießt. "Seit hundert Jahren hat es schließlich keine Pfandbriefpleite in Deutschland gegeben. Zins- und Tilgungszahlungen waren immer gewährleistet", begründet Kurt Bonfig, Vorstandsmitglied der Bayerischen Handelsbank, die makellose Reputation der Papiere. Wie bei den übrigen 45 Hypothekenbanken in Deutschland sind auch bei Bonfigs Institut die Pfandbriefe folgendermaßen abgesichert: die Hypothekenpfandbriefe durch hochwertigen Immobilienbesitz und die öffentlichen Pfandbriefe - früher Kommunalobligationen genannt - durch Kredite an den Staat. Der Gesetzgeber hat dem Pfandbrief noch ein eigenes Gütesiegel aufgeklebt, das Prädikat "mündelsichere" Anlage. Jeder, der Geld treuhänderisch verwaltet, darf - ohne von seinem Mündel später belangt zu werden - guten Gewissens in Pfandbriefe investieren.

Der Sicherheitsstandard ist sonst der gleiche wie beispielsweise bei den beliebten Bundesanleihen. Doch gerade den Kleinanleger haben die Banken als potentiellen Kunden mehr und mehr aus den Augen verloren. Die Geldhäuser setzen verstärkt auf institutionelle Anleger wie Banken, Versicherungen und ausländische Großinvestoren.