Nur noch wenige Sekunden. Der Pilot schließt seinen blauen Overall über der feuerfesten Unterhose. Gleich wird sein Motor gestartet.

Mit einem Blick, in dem die Weite der Wüste wohnt, sieht Saadon Alkuwari prüfend hinauf in die Sonne über den Türmen der Nürburg.

Saadon Alkuwari, ein Mann aus Katar am Persischen Golf. Zweiunddreißig Jahre alt, asphaltgrauer Schnäuzer, Figur eines Jockeys. Er denkt nur an das eine: an einen Cockpitplatz in der Formel 1. Aus diesem Grund hat er sich, begleitet von Manager und Photographen, auf den Weg in die Eifel gemacht.

Nun besucht er die Zakspeed-Rennfahrerschule. Er zahlte 1950 Mark für den "Grundkurs", wurde eingekleidet und bekam einen Helm.

Jetzt steht Saadon neben einem echten Rennwagen. 135 PS, 455 Kilogramm, ein Formel 3. Wer ein Großer werden will, fängt am besten unten an. Schumacher hat es vorgemacht, und Damon Hill auch. Ob der Weltmeister und sein Herausforderer schon im Lande sind?

Der Nürburgring wenige Tage vor dem Start des Großen Preises von Europa. Diese Anspannung, die nicht weichen will, die sich mit jeder Stunde weiter verdichtet. Soeben sind die ersten Kranwagen vorgefahren, Dreiachser, 55 Tonnen Tragkraft, ausgangs der Veedol-Schikane wurden sie in Stellung gebracht. Noch läuft alles nach Plan. Die Arbeiten an dem gut fünfzig Zentimeter tiefen Kiesbett in der Auslaufzone der Coca-Cola-Kurve kommen voran. Dank einer Armada von Kipplastern, die anschütten. Denn genug Kies, mehr als 20 000 Tonnen insgesamt, ist wichtig. Verläßt ein Formel 1 die Strecke, "fliegt ab", dann hilft nur noch Kies.

Bei alledem ist Saadon Alkuwari sozusagen mittendrin. Die Rennfahrerschule praktiziert auf der Kartbahn des Nürburgrings. Ein kleiner Parcours, mit Stößen von Altreifen gepolstert, einmalig schön im Schoß der Grand-Prix-Strecke gelegen. So macht Unterricht Spaß. Empfindet Alkuwari dies auch? "Phantastic", sagt er mit einem Fuß auf dem Reifen, während sein Photograph ein paar Aufnahmen macht.