Manchmal ist selbst der Papst nur ein Laie. Wenn es um den Tod geht, beispielsweise. Die Definition des Todes sei Aufgabe der Ärzte, erklärte schon 1957 Pius XII. Und wenn die Wissenschaft diese Definition erst einmal erbracht hätte, formulierte später Johannes Paul II., würden sich auch die von den neuen medizinischen Technologien ausgelösten Konflikte auflösen. "Denn die Moral muß die biomedizinische Bestimmung als entscheidendes Kriterium anerkennen."

Das ist, zumal für einen Papst, recht kühn formuliert. Bislang war man versucht anzunehmen, gerade die katholische Kirche erlaube sich hin und wieder Auffassungen, die mit wissenschaftlicher Evidenz nicht in Einklang zu bringen sind. Im Falle des Todes aber, so scheint es, bindet sich die päpstliche Moral allein an den Fortschritt.

Dabei ist es gerade der Erkenntnisfortschritt, der Unsicherheit über den Tod hervorruft - nicht zuletzt bei den Abgeordneten des Bundestages. Die beraten derzeit über den Entwurf eines Transplantationsgesetzes.

Eine umstrittene Frage ist dabei der Zeitpunkt der Organentnahme.

Geht es nach den Transplantationsmedizinern und wohl auch der Mehrheit des Bundestages, dann soll der festgestellte "Hirntod" den Zeitpunkt markieren, von dem an menschliche Organe entnommen werden dürfen: "Das Ende des Lebens ist das Erlöschen der personalen Identität des Menschen, dessen Steuerungszentrale das Gehirn ist", formuliert die CDU-Abgeordnete Beatrix Philipp, die zuvor schon den Papst zu ihrem Zeugen gemacht hatte. Das klingt ein bißchen kühl und doch nicht unplausibel.

Doch dann berichtete der SPD-Abgeordnete Wolfgang Wodarg, früher Arzt auf einer Intensivstation, von dem "langen, betretenen Schweigen im Stationszimmer", wenn einem Hirntoten die Herz-Lungen-Maschine abgestellt wurde. Und damit hatte sich das vermeintlich exakte Todeskriterium auch schon wieder verflüchtigt. "Müssen wir einen modernen Tod als Ergebnis und Preis der modernen Medizin akzeptieren?"

fragt Monika Knoche (Bündnis 90/Die Grünen). Um die ethische Klärung des in der Transplantationsmedizin Machbaren muß sich der Bundestag in den kommenden Monaten bemühen. Leicht wollen sich die Abgeordneten die Sache nicht machen.