Wie war's dem Westen doch vordem im Kalten Kriege so bequem! Als es noch zwei Supermächte gab, waren die Vereinigten Staaten für ihre Verbündeten die selbstverständliche und verläßliche Führungsmacht.

Seit der Zeitenwende von 1989 hat zwar nicht die Führungsgabe, aber der Führungswille Washingtons merklich nachgelassen, für die Partner gelegentlich Anlaß zum Übermut, meist jedoch zum Verdruß.

In diesen Tagen amerikanischer Marathon-Außenpolitik will manchem scheinen, als rücke alles wieder ins alte Lot. Die Stoßseufzer der Erleichterung sind allerdings nicht angebracht.

Gewiß, allzuoft scheitert das internationale Krisenmanagement, wenn sich Amerika nicht nachdrücklich engagiert. Legen die Amerikaner sich gar quer, ist das Tun anderer Staaten zumeist vergeblich.

Für das halbwegs erträgliche Funktionieren der internationalen Ordnung ist die konstruktive Mitwirkung der Vereinigten Staaten unerläßlich. So verhält es sich, vorläufig wenigstens, auf dem Balkan, ebenso im geteilten Korea. Dieser Tage wird es im Nahen Osten erneut bestätigt. Unter all den emsigen Vermittlern, die einander in Jerusalem und Damaskus die Türklinken in die Hand gaben, kam es nur auf einen einzigen wirklich an - auf den amerikanischen Außenminister Warren Christopher.

Dennoch sind - wenn es um die Sicherung internationaler Stabilität geht - Zweifel am Platz: zwar nicht an der Unerläßlichkeit, wohl aber an der Verläßlichkeit Amerikas. Auch eine Serie eindrucksvoller außenpolitischer Aktivitäten kann sie nicht zerstreuen. Am Montag voriger Woche vereinbarte Präsident Clinton in Tokio eine verstärkte Sicherheitspartnerschaft mit Japan. Am Dienstag setzte er sich in Seoul für eine internationale Konferenz zur Entschärfung des Korea-Konfliktes ein. Am Freitag traf Christopher mit seinem chinesischen Kollegen zusammen, um die jüngsten Spannungen zwischen beiden Ländern abzumildern. Am Sonnabend beriet Clinton in Moskau über atomare Abrüstung. Und seit Anfang der Woche eilt Christopher durch den Nahen Osten. Es war fast wie in alten Zeiten.

Und doch ist es ganz anders. Natürlich hat Amerika mehr Gewicht als alle anderen; wo es auftritt, ist ihm Aufmerksamkeit gewiß.