BELGRAD.- In Ostslawonien wurde vor knapp fünf Jahren der Krieg im ehemaligen Jugoslawien entfesselt. Heute ist es der letzte Teil Kroatiens, der noch unter örtlicher serbischer Kontrolle steht. Ein "Allgemeines Abkommen" zwischen den Serben und der kroatischen Regierung vom November 1995 und die UN-Sicherheitsratsresolution Nr. 1037 haben alle strittigen Fragen geregelt. Aber die Streitpunkte, die den Konflikt ausgelöst haben, sind offengeblieben.

Die Serben müssen sich der Tatsache stellen, daß Ostslawonien zu Kroatien gehört. Dennoch haben die UN-Resolution und die Übergangsbestimmungen peinlichst vermieden zu sagen, wie die Reintegration Ostslawoniens in den kroatischen Staat verlaufen soll. Wird es eine "weiche" oder "harte" Wiedereingliederung sein, oder wird die Frage gar einen neuen Krieg provozieren?

Hier geht es, meine ich, nicht mehr um einen Gebietsstreit, sondern um die Frage von Bürger- und Menschenrechten. Die serbische Bevölkerung in Ostslawonien mißtraut dem Zagreber Regime, das alle Probleme zu Beginn des serbisch-kroatischen Konflikts verursacht hat. Die entscheidende Frage lautet heute wie damals: Was geschieht mit den Serben in Kroatien?

Selbstverständlich müssen jene Kroaten, die im Krieg von den Serben vertrieben worden sind, in ihre Häuser zurückkehren können. Aber die kroatische Regierung hat bisher noch keine angemessene Antwort auf die Frage gegeben: Was soll mit den serbischen Flüchtlingen aus Westslawonien und der Krajina passieren, die von der kroatischen Armee gezwungen wurden, ihre Häuser zu verlassen, und nun unfreiwillig in den Häusern von Kroaten in Ostslawonien leben? Und es geht nicht nur um sie. Von den serbischen Flüchtlingen aus der Krajina, die unter oft unerträglichen Bedingungen in Serbien leben, wollen mehr und mehr nach Kroatien in ihre Heimatorte zurückkehren - obwohl viele ihrer Häuser vollständig niedergebrannt worden sind.

Wenn der Krieg wirklich zu Ende sein soll, dann müssen alle Rechnungen beglichen werden. Die Kroaten und die Serben in Kroatien müssen einen hohen Preis für die tragischen Fehler zahlen, die sie seit dem Beginn des Krieges begangen haben. Das Zusammenleben ist durch die furchtbaren Kämpfe nicht leichter geworden. Im Gegenteil: Viele Probleme der multiethnischen Gesellschaft vor dem Krieg wirken gering im Vergleich zu den Folgen von Vertreibung und Massentötung.

Ostslawonien ist ein schwieriger Testfall für die kroatische Regierung: Kann und will sie die Bürger- und Menschenrechte in Kroatien schützen und die Toleranz zwischen Serben und Kroaten wiederherstellen?

Zu dieser einzig denkbaren nüchternen Lösung gibt es nur eine Alternative: einen neuen kroatischen "Blitzkrieg" mit dem Ziel, alle kroatischen Serben loszuwerden. Dann allerdings stellte sich die Frage: Wer wären die nächsten Opfer? Alle frei sprechenden und frei denkenden Kroaten?