Wer es bisher immer noch nicht glauben mochte, der dürfte - spätestens seit dem Wahlsonntag in Italien - bekehrt sein: Die Linke ist wirklich nicht mehr das, was sie einmal war. Da erringt ihr Bündnis, der "Olivenbaum", einen historischen Sieg, Exkommunisten können endlich mit Hilfe von Altmarxisten regieren - und was tun die Kapitalisten? Sie jubeln. Die Aktienkurse explodieren, die Börsianer verbuchen atemberaubende Gewinne. Aber damit nicht genug. Die Lira, das Sorgenkind aller bürgerlichen Regierungen, zeigt plötzlich jene Stärke, die das Proletariat schon lange vermissen läßt.

Spinnen die Römer, laufen die Händler in Mailand Amok, oder siegt doch noch der Marxismus? Solche Fragen kann wohl nur ein Ausländer stellen. Denn aus italienischer Sicht läuft an der Börse alles eher normal: Die Aussicht, daß es endlich eine stabilere Regierung gibt, hat noch jeden Geldgeber gefreut, selbst wenn es eine linke ist. Und: In Italien sind die Roten wirklich nicht mehr das, was sie einmal waren.