Irans oberster Richter erklärte: "Der Fall Rushdie ist nicht auf Iran begrenzt, sondern betrifft die gesamte islamische Welt.

Deshalb wird Iran keine weiteren Anstrengungen unternehmen und auch kein Geld für seine (Rushdies) Ermordung zahlen." Aufmerksame Leser wird das "deshalb" das Gruseln lehren. Ayatollah Mohammad Yazdi ließ in seiner Pressekonferenz am 21. April keinen Zweifel an seiner Sicht der Dinge: "Die Durchführung dieses Urteils ist Sache der Muslime in der ganzen Welt, und es wird eventuell erfüllt werden." Man wird gut daran tun, diese Erklärungen nicht als Deeskalation zu lesen, sondern als eine Methode, die Gläubigen daran zu erinnern, daß sie ihre Muslimpflicht tun sollten, statt dem iranischen Staat allein die Aufgabe aufzuhalsen, den Autor zu töten.

hit! hitler! am hitlersten!

Die schöne, kritische Steigerungs-Formel hat der als "Oberdada" geschmähte oder verehrte Schriftsteller Johannes Baader (1875-1955) geprägt. Noch immer ist über Leben und Werk des Mannes, der sich, wie manch anderer, von einem mythischen "Dritten Reich" - für kurze Zeit - das Heil erhoffte, wenig bekannt. Willkommen also ein neues Heft der Reihe "Vergessene Autoren der Moderne", die Marcel Beyer und Karl Riha an der Universität Gesamthochschule Siegen herausgeben. "Ich segne die Hölle" heißt das 60-Seiten-Heft mit Gedichten der Jahre 1915-1933, herausgegeben und kommentiert von Dieter Scholz. "Nur der Humor kann die Welt erlösen", meint der gelernte Architekt Baader, der 1924 nach Hamburg floh, weil die Berliner den aufsässigen Mann in eine Arbeitsanstalt stecken wollten. Diese Jahre sind noch kaum erforscht - bis auf den Brief, den der Autor an Hitler schrieb: Er verlangte, Goebbels als Privatsekretär unterstellt zu bekommen. Die Episode ging glimpflich zu Ende.

Baader wurde nur als Bau- und Rechnungsprüfer dienstverpflichtet.

- Als Doppelheft ist in dieser Schriftenreihe erschienen, zum ersten Mal in deutscher Übersetzung, das erstaunliche Bühnenstück "Der Kaiser von China" von Georges Ribemont-Dessaignes (1884-1974), dem führenden Kopf des Pariser Dada. Das im Ersten Weltkrieg geschriebene Stück ging der offiziellen Dada-Geburt in Zürich um ein Jahr voraus.

Es erzählt eine Geschichte der Menschheit aus dadaistischer Perspektive - unter anderem mit dieser Klage der Onane genannten jungen Frau: "Geht woanders schreiben. Eure ganze Literatur macht zuviel Lärm."