China darf triumphieren. Amerika und die Staaten der Europäischen Union sind in dieser Woche zum sechsten Mal mit dem Versuch blamabel gescheitert, die aufstrebende Wirtschaftssupermacht vor der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in Genf anzuprangern. Im Gegensatz zum Vorjahr kam es nicht einmal zu einer Abstimmung über den ohnehin zahn- und krallenlosen Resolutionsentwurf: Chinas Antrag, die Angelegenheit einfach von der Tagesordnung zu streichen, siegte mit sieben Stimmen Mehrheit.

Das ist ein schwerer Schlag für alle, die seit Jahren auf ein Signal der Unterstützung von der Uno hoffen: die Insassen der gefürchteten laogai-Arbeitslager, inhaftierte Dissidenten, gefolterte und vertriebene tibetanische Geistliche, die Kinder in den Todesfallen, die sich in China Waisenhäuser nennen. Für Westeuropa aber gibt es keinen Grund zur Klage über Pekings Helfer. Zu schamlos waren die Versuche Frankreichs und Deutschlands, erhoffte Milliardenkontrakte mit "präventiver Diplomatie" zu retten. Wer so tief buckelt, darf sich nicht wundern, wenn er dafür getreten wird.