Zu einem der weniger beachteten wissenschaftlichen Fachgebiete gehört zweifellos die sozialpsychologische "Trinkgeldforschung".

Dabei handelt es sich um ein Wissensgebiet von enormer Praxisrelevanz, wie jeder Kellner zweifellos bestätigen wird. Zahllose Fragen harren hier noch einer Aufklärung. Zum Beispiel: Beeinflußt das Wetter die Trinkgeldfreudigkeit von Hotelgästen? Wenn ja, was sind die wichtigen Faktoren? Und kommt es überhaupt auf die tatsächliche Witterung an oder reicht vielleicht schon der Glaube an Sonnenschein?

Nun gibt es endlich ein wenig Licht in diesem Wissensdunkel. Zu verdanken haben wir das dem Psychologen Bruce Rind von der Universität Philadelphia. Er ruhte nicht, bis er das Problem mit Hilfe eines Experiments nach allen Regeln der Kunst (Varianzanalyse mit vierstufigem Himmelszustandsfaktor) gelöst und die Ergebnisse im Journal of Applied Social Psychology veröffentlicht hatte.

Für seine Versuche begab sich Rind in ein Casino-Hotel im Glücksspieldorado Atlantic City. Dessen Scheiben waren so dunkel, daß sie auch noch den hellsten Tag nach Regen aussehen ließen, weshalb sich die Besucher jeden Morgen beim Zimmerkellner nach dem Wetter erkundigten.

Für den Trinkgeldpsychologen tat sich hier ein ideales Experimentierfeld auf.

Unter Rinds Aufsicht lieferte der Kellner seine Auskünfte fortan gemäß einer etwas eigenwilligen Methode: Bevor er ins Zimmer trat, zog er aus einem großen Stapel eine Karte etwa mit der Aufschrift "sonnig und kalt" und machte dann dem Gast entsprechend Meldung.

Dabei hatte er im Interesse der Wissenschaft darauf zu achten, daß er immer dieselbe Miene aufsetzte und den Ton seiner Stimme nicht veränderte. Drei Wochen und 205 willkürlich informierte Hotelgäste später war die psychologische Forschung um eine Erkenntnis reicher: Schon der Glaube an Sonnenschein führt zu - signifikant!