Rom

Siegerposen sind Romano Prodi so fremd wie das breite Grinsen seines unterlegenen Rivalen Silvio Berlusconi. Ein strahlendes, zugleich fast schüchtern wirkendes Lächeln lag auf Prodis schmalen Lippen, als ihn am Montag, dem Tag nach den Wahlen, in seiner Heimatstadt Bologna Zehntausende jubelnder Menschen feierten: als den Mann der "Wende" Italiens, der Wende von der rechten zur linken Mitte.

"Jetzt sind wir es, die allen zeigen müssen, was Demokratie ist!"

rief Prodi. Er kündigte damit die Öffnung gegenüber der neuen Opposition an, also nach rechts zu Berlusconi und dessen Bündnispartnern, denen er sogleich den Posten eines der beiden Parlamentspräsidenten in Aussicht stellte. "Nicht gegen, nur mit dem ganzen Land", eben auch mit seinen Gegnern, glaubt Prodi "die für das Überleben Italiens notwendigen Reformen" durchsetzen zu können. Kungeleien also und Kompromisse (vielleicht gar "historische") auf alte Art? Oder doch ein Neubeginn?

Da mögen jetzt beiderseits der Alpen kommunistische Teufelsgespenster an die Wand gemalt werden (vorher waren es faschistische); die Wirklichkeit wird weiterhin durch die politische Lebens- und Überlebenskunst bestimmt. Und die hat auch einen Mann wie Prodi hervorgebracht, der sich in kein Schema einer Partei fügen möchte und auf diese Weise fünf Jahre "stabil" zu regieren hofft.

Nur sehr knapp ist freilich die Mehrheit, auf die er zählen kann (drei Stimmen in der Abgeordnetenkammer, vier im Senat), und bunt gemischt die Koalition, die er unter seinem Ulivo, dem Frieden symbolisierenden und (auch in glühender Hitze) fruchtbaren Ölbaum versammelt hat. Das Bündnis reicht von linkskatholischen Überlebenden der einstigen Democrazia Cristiana, Liberalen und "Technikern" wie dem amtierenden Premier Dini bis zu den sozialdemokratisch gemauserten Exkommunisten der PDS, der mit 21,1 Prozent der Wählerstimmen nun stärksten Partei Italiens. Ihr Wohlwollen haben auch die - immerhin 8,6 Prozent starken - Altkommunisten (Rifondazione) zugesichert. Prodi braucht es; er hat dennoch keine Zugeständnisse in Aussicht gestellt.

Wie aber konnte dieser eher behäbig als geschäftig wirkende, bislang sogar fernsehscheue Professor überhaupt zur Leitfigur so verschiedener, ja widerstrebender Partner werden? Fleißig und fromm, bei allem Ehrgeiz nüchtern und nie übereifrig: so hat sich Prodi aus bescheidenen Verhältnissen hochgearbeitet. In Scandiano, einer Kleinstadt der norditalienischen Emilia, wurde Prodi 1939 im Haus eines Klempners geboren, als achtes von neun Kindern. Sechs von ihnen wurden Universitätsprofessoren.