Nein, weiße Bohnen und Hefeknöpfle, die kriege er nie, sagt ihr Mann Walter. Die kocht Trude ihm einfach nicht. "Das war meine Henkersmahlzeit", sagt Trude.

Trude kenne ich seit langem. Wer Glück hat, erwischt sie auch einmal daheim. Sie tut viel für die Kirchengemeinde. Fürs Gemeindefest zweihundertmal Gulasch, Schinkenhörnchen zum Altennachmittag, Brötlestüten zum Weihnachtsmarkt. Und besucht auch noch Kranke.

Walter ist da, ihr Mann, "der erste, der lieb zu mir war", und die zwei Kinder. Wir kennen einander vom Kaffee-und-Kuchen-Stand beim SPD-Sommerfest, Trude sorgt für den Kaffee. Trude ist dreiundsechzig, eine große, kräftige Frau, in deren Gesicht etwas blieb, das ist jung.

Es hat keinen gewundert, daß die Stadt sie vor kurzem für ihr Engagement geehrt hat. Trude? Na klar, die gehört einfach hierher, sagen die Leute.

Trude ist Polin. Gar nichts ist klar. Das ist Trudes Geschichte:

Ein gesundes polnisches Kind von sieben Jahren, mit so blondem Haar und so blauen Augen - sie fanden es zu dumm, es bei den Polen zu lassen. "Das, was in den besetzten Völkern an gutem Blut unserer Art vorhanden ist, werden wir uns holen, indem wir ihnen, wenn notwendig, die Kinder rauben und bei uns aufziehen", sagte Himmler in einer Rede in Trudes Heimatstadt Posen (Poznan) im Jahr dreiundvierzig.

Da war sie schon nicht mehr in Polen: Gertruda Niewiadomska, geboren 1933, ist eines von etwa 200 000 Kindern, an denen dieses Programm praktiziert wurde.