Sein Geschäft war die Öffentlichkeit. Doch selber blieb er voller Geheimnisse. Robert Hersant, der 76jährig verstorbene französische Pressezar, trug den Übernamen "Papierfresser". Ausgehend von einer Autorevue, schusterte er in vier Jahrzehnten das größte Zeitungsreich der Republik zusammen und kontrollierte ein Drittel der nationalen Auflage.

Für die Linke gab der ehemalige Nazikollaborateur und später knochenharte Konservative stets eine treffliche Zielscheibe ab.

"Verleger wären glückliche Wesen, gäbe es die Journalisten nicht", frotzelte er in einem seiner äußerst seltenen Interviews. Doch im Grunde seines Herzens soll er seine Schreiber geliebt haben.

Er war ein leidenschaftlicher Zeitungsmacher - und nicht bloß ein Geschäftemacher mit Zeitungen.

Das Imperium ruht indes heute auf tönernen Füßen. Vier Milliarden Franc betragen die Schulden. Der Patriarch mußte sich bereits aus dem Fernsehgeschäft zurückziehen, Magazine in Frankreich und Gazetten in Osteuropa abstoßen. Die Flagge auf Halbmast, mit der Hersants Paradepferd, der Figaro, nach seinem Tod aufmacht, gilt wohl nicht allein der Trauer um den Verleger.