Gemessen an Telekomchef Ron Sommer ist sein Kollege von der Post, Klaus Zumwinkel, geradezu glimpflich davongekommen. Als zu Jahresbeginn die neuen Telephontarife mit einer kräftigen Verteuerung längerer Ortsgespräche in Kraft traten, fegte ein Sturm der Entrüstung durch die Republik. Als vor zwei Wochen die Post ihre neuen Gebührenpläne kundtat, blieb es vergleichsweise ruhig. Dabei müssen die Bürger für den Transport von Päckchen und Paketen, Briefen und Postkarten künftig spürbar mehr bezahlen.

Der Grund für den unpopulären Beschluß: Trotz Modernisierung und Rationalisierung bei der Deutschen Post AG herrscht in der Portokasse des Unternehmens Ebbe. Der Staatsbetrieb gerät massiv unter Druck, weil die Regierung wichtige Entscheidungen hinauszögert und die Geschäfte stocken. Der Umsatzanstieg von mageren 0,6 Prozent im vergangenen Jahr dürfte das Postmanagement in Alarmstimmung versetzt haben.

Dabei war Klaus Zumwinkel vor gut sechs Jahren angetreten, um aus der verstaubten Behörde ein prosperierendes, bürgerfreundliches und modernes Logistikunternehmen zu machen. Die Post sollte schneller werden, mehr Leistung bieten und zugleich wirtschaftlicher arbeiten.

Noch ist sie mit einem Umsatz von fast 29 Milliarden Mark und 320 000 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber Europas.

Gehen Zumwinkels ehrgeizige Pläne allerdings nicht auf, droht der gelbe Riese im Zuge des wachsenden Wettbewerbs zum Zwerg zu verkümmern. Massenentlassungen und drastische Einschnitte beim Service wären die Folge. Noch ist längst nicht sicher, ob der Topmanager tatsächlich den Spagat schafft, den staatlichen Auftrag zur Gesamtversorgung der Bürger zu erfüllen und den Betrieb gleichwohl dauerhaft profitabel zu machen. Die Zeit drängt: In zwei Jahren soll die Post an die Börse. Und dort zählt ausschließlich die Rentabilität.

Dann will Postminister Wolfgang Bötsch zugleich auch das Restmonopol des gelben Riesen knacken. Das bedeutet, daß die Post auch bei der Beförderung von Briefen im Wettbewerb mit anderen Unternehmen stehen wird. Schon heute dürfen private Konkurrenten Infopost von hundert Gramm aufwärts sowie Päckchen und Pakete transportieren.

Gerangelt wird nur noch darum, ob der Post nach 1998 noch eine Schonfrist zugestanden wird, in der sie das Monopol für die Beförderung bestimmter Briefsendungen behält. Obwohl Zumwinkel stets betont hat, daß er nicht als Monopolverwalter angetreten ist und die Liberalisierung daher ausdrücklich begrüßt, warnt der Postmann: "Kommt die Öffnung des Marktes zu schnell, fährt die Post an die Wand."