Sie konnte einmal alles", erzählt der Ehemann und streichelt den Arm seiner Frau. Die meisten Fähigkeiten hat Lenchen, wie er sie zärtlich nennt, verloren. Zu abstraktem Denken ist sie nicht mehr in der Lage, das Erinnerungsvermögen ist weg, die Sprachbildung macht ihr Schwierigkeiten. Nur körperlich ist die 72jährige noch recht fit. Die ehemalige Sportlehrerin spielt noch regelmäßig Tennis und fährt Ski. Doch ohne die Hilfe ihres Mannes würde sie ihren Alltag nicht mehr bewältigen. Der Professor der Psychologie, inzwischen auch in den Siebzigern, erledigt den Einkauf, er kocht, wäscht und putzt. Seine Frau weiß, daß sie "Probleme mit dem Gedächtnis hat und ihr Gehirn nicht mehr richtig arbeitet", sagt der Arzt.

Sie weiß nicht, daß sie an der Alzheimerschen Krankheit leidet.

Alzheimer: Eine Erkrankung, die mit dem wachsenden Anteil alter Menschen in unserer Gesellschaft immer häufiger wird - und damit zunehmendes Interesse bei Pharmaindustrie und Forschung auslöst.

Einige Ärzte halten nun sogar medizinische Tests bei Alzheimer-Kranken im Spätstadium für erforderlich - auch wenn die Patienten selbst keinen Nutzen davon haben. Untersuchungsobjekt sollen Personen sein, deren Nervenzellen im Gehirn so weit zerstört sind, daß sie ihr Gedächtnis verloren haben, ihre Sprache, ihre Persönlichkeit und ihren Verstand. Demente sind unfähig, einzuschätzen, was mit ihnen vorgeht. Juristisch gelten sie als "einwilligungsunfähig", incapacitated, wie die Engländer sagen. Nun wird der Boden für Forschung an solchen Personen bereitet - in Deutschland wie in ganz Europa.

"In Ausnahmefällen ... kann an einer einwilligungsunfähigen Person fremdnützige Forschung durchgeführt werden", heißt es in Artikel 16 des jüngsten Entwurfs der Bioethik-Konvention des Europarates. Als Voraussetzung genügt den Verfassern, daß solche Forschung "die Kenntnisse über den Zustand, die Krankheit oder Störungen dieser Person erheblich verbessern kann und das Ziel hat, Personen mit einem ähnlichen Alters-, Krankheits- oder Störungsprofil zu nützen". Wenn Risiko und Belastung für den Betroffenen "minimal" sind, der gesetzliche Vertreter eingewilligt hat und der Kranke sich nicht weigert, sollen die Forscher grünes Licht bekommen.

Noch befindet sich die Bioethik-Konvention, die für die biologische und medizinische Forschung ethische Mindeststandards für die 38 Mitgliedsländer des Europarates festlegen will, im Entwurfsstadium.

Doch schon jetzt fragen deutsche Wissenschaftler, ob ihnen verwehrt werden kann, was in anderen Ländern, in Schweden beispielsweise, möglich ist.