Wer sich traut, über seine Familie zu schreiben, der gibt sich Blößen, die, auch wenn er sie zu verbergen sucht, mehr über ihn aussagen, als ihm lieb ist. Bei Erich Kuby war das schon immer anders: Er hat sich getraut und nie gescheut, etwas von sich preiszugeben; er ist dem Leser als "Kassandra vom Dienst" mit bedingungsloser Opposition auf den Leib gerückt, indem er alles aussprach, was dieser weder hören noch gar zugeben mochte. Das dokumentierte sich besonders deutlich in dem Buch "Mein Krieg", das schildert, wie er den Zweiten Weltkrieg erlebt hatte, als ewiger Gefreiter, ab September 1944 als Kriegsgefangener, immer begleitet von seiner Schreibmaschine, auf der er jeden Tag und in jeder Situation schrieb.

Manche, die nicht wissen, wovon sie reden, behaupten, Kuby sei ein Linker, gar ein Kommunistenfreund. Er ist keines von beiden, sondern ein freier Mensch, der nicht weggeschaut hat und sich immer das Recht nahm, seine Meinung zu sagen. Da er seine Unabhängigkeit dokumentierte, die fast wie Arroganz anmutete, haben ihn viele angefeindet, fast gehaßt und doch respektiert, denn er war nie bereit, sich auf faule Kompromisse einzulassen. Diese Stärke wuchs ihm nicht nur durch seine Intelligenz, seinen Eigensinn und seine Wut zu, sondern auch durch seine Privilegien, die seine frühen Wege begleiteten und viele Steine beiseite räumten. Das schafft Sicherheit, die sich die meisten anderen auch nicht erschwitzen konnten.

Als Friedrich Sieburg 1957 Kubys Buch "Das ist des Deutschen Vaterland" mit hoher Achtung und Lob in der FAZ besprach, gab er seiner Rezension den Titel "Der Donnerkeil des Plauderers". Den Donnerkeil hat Kuby nie aus der Hand gelegt, er hat aber auch nur selten geplaudert.

In der Geschichte seiner Familie der letzten beiden Jahrhunderte kommt er allerdings mit leiseren, behutsameren Tönen daher, obwohl er sich wahrlich nicht zu schämen hat: "Eine bürgerliche Familie?

Gewiß, was denn sonst?! Was daran noch bürgerlich war, hatte nostalgische Züge, war unverwischbare Erinnerung, war Erziehung, Tradition; nicht zuletzt ein Rest von Standesbewußtsein, worauf ich die Resistenz gegen den Nationalsozialismus vor allem zurückführe. Dessen Botschaft, auf die ein Heidegger, ein Benn, ein Jünger, ein Hanns Johst hereingefallen sind, erreichte sie nicht."

Kuby warnt den Leser im Vorwort davor, auf den Titel des Buches hereinzufallen und anzunehmen, es würden Familienmitglieder vorgestellt, "die ihren staatsbürgerlichen Pflichten beispielhaft nachgekommen sind, nimmt man doch an, Patriotismus stimuliere zu politischer Aktivität. Es ist aber gerade umgekehrt. Patriot ist, wer sein Vaterland liebt, und er liebt es, weil er annimmt, es stehe mit diesem Vaterland alles zum besten." Intellektuelle kommen in den Familien Kubys nicht vor, wohl aber Reeder, Bankiers, Weinhändler, Beamte, Richter und Ärzte. In beiden Jahrhunderten fehlt es aber auch an Metzgern nicht. Urgroßvater Wilhelm Kuby, 1804 in Kaiserslautern geboren, Sohn eines Metzgers, durfte schon studieren und Professor an der Königlichen Studienanstalt in Zweibrücken werden. Er hatte sechs Kinder; sie konnten nicht alle studieren. Sohn August, Louis genannt, mußte deshalb Lehrling im Gemischtwarenhandel werden.

Er brach aus, ging nach Frankreich und England und wurde als einziger der ganzen Verwandtschaft nie ein ganz richtiger Bürger, aber ein sehr erfolgreicher und angesehener Weinhändler in Edenkoben, in dritter Ehe mit Kubys Großmutter verheiratet.