Managua ist im Hitzedunst am Horizont verschwunden. Ich bin der Wüste aus Wellblechhütten und Erdbebenruinen entkommen, ohne daß sich meine Gedanken von den krassen Gegensätzen dieser Stadt lösen könnten: ein Labyrinth namenloser Straßen, bunte Graffiti, die von zerschossenen Wänden leuchten, ein Heer von Taschendieben, die sich im Tumult der stets überfüllten Stadtbusse auch gegenseitig bestehlen.

Den fauligen Gestank der Abwasserkanäle noch in der Nase, denke ich zurück an glühend heiße Tage ohne Wasser und ohne Strom. Nach Osten solle ich reisen, haben mir die Lebenskünstler in den wild wachsenden Siedlungen Managuas geraten, zur costa atlántica. Dort, an der Karibikküste, haben viele von ihnen gelebt, bevor sie wegen des Krieges oder Naturkatastrophen nach Managua kamen oder einfach in der Hoffnung, hier schnell Geld zu verdienen.

Nach Osten also. Seit Stunden fährt der klapprige Bus, den sein Fahrer liebevoll Maria nennt, einen wirren Slalomkurs um knöcheltiefe Schlaglöcher. Abgemagerte Zebus suchen in dürren Hügellandschaften nach freßbaren Halmen. Am kleinen Busbahnhof von Juigalpa bekomme ich Gesellschaft. Meinen neuen Nachbarn hat das feucht-fröhliche Wochenende schwer mitgenommen. Zu gerne würde ich etwas über die zurückliegende Fiesta erfahren, doch der Mann bevorzugt ein stundenlanges Selbstgespräch. Bald werden die Hügel grüner, erste Palmen mogeln sich auf die Weiden. Die Rinder sehen gut genährt aus.

Es ist längst dunkel, als der Bus Rama erreicht. In diesem kläglichen Nest am Rio Escondido endet die Straße - oder was von ihr übriggeblieben ist. Von hier geht es nur noch mit dem Boot weiter. Ich finde eine Absteige direkt am Fluß.

Anderntags bekomme ich eine schlechte Nachricht. Seit zwei Wochen sitzt das Flußboot nach Bluefields wegen eines Motorschadens fest.

Das benötigte Ersatzteil ist auf dem Nachschubweg verschwunden.

Zeit ist ein vager Begriff in Nicaragua, und während ich geduldig auf ein Wunder warte, schickt mir der Fluß das Frachtboot Belkys Yanaira. Der Kapitän nimmt mich gerne mit, auch wenn das Wort gringo zum festen Bestandteil seines Vokabulars zählt.