Wir mußten jeden Tag an den Teppichen arbeiten, und wenn wir zu langsam arbeiteten, wurde uns verboten, nachts zu schlafen. Wenn wir irgendeinen Fehler machten, wurden wir geschlagen", erzählt ein zwölfjähriges Sklavenmädchen aus Indien. Zitiert wird es in der Kampagne Anti-Slavery International (ASI) gegen Sklaverei und Kinderarbeit. Die weltweit älteste Menschenrechtsorganisation begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihren Kampf gegen den englischen Handel mit afrikanischen Sklaven. Ihre Unterstützung für brasilianische Antirassisten zwang 1888 die Monarchie Brasiliens zur Abschaffung der Sklaverei im letzten Land, in dem sie noch legal war.

Über hundert Jahre später gibt es Sklaven auf allen Kontinenten.

In Peru werden Kinder zum Goldschürfen in der Region von Madre de Dios versklavt. Etwa 100 000 haitische Kinder wurden ihren Eltern geraubt und zu Hausdienern gemacht. In Mauretanien wurde in diesem Jahrhundert schon dreimal die Sklaverei feierlich abgeschafft, aber nach wie vor werden Angehörige bestimmter Ethnien in Leibeigenschaft geboren, verkauft und mißhandelt. Sudanesische Truppen kidnappen Frauen und Kinder aus dem Süden des Landes und machen sie zu Farm- und Haussklaven.

In Indien, Nepal und Pakistan hilft das Kastensystem, Sklavinnen beispielsweise für die Prostitution zu rekrutieren. Die Diktatur in Myanmar, im ehemaligen Birma, setzt Sklaven in staatlichen Entwicklungsprojekten ein. Auf den Philippinen werden Indios zu Zwangsarbeitern gemacht und Kinderprostituierte den Touristen angedient. Frauen und Kinder müssen sich in Thailand prostituieren.

Aktuell umfaßt die Liste der Nationen mit bewiesener Sklaverei 41 Staaten.

Besonders schwierig ist der Kampf gegen Sklaverei aus religiöser Tradition. In Indien, berichtet ASI, werden jährlich etwa 10 000 Mädchen als "Devadasi", Gottesdienerinnen, einem Tempel der Gottheit Yellama übergeben. Von dort werden sie an Käufer weitergereicht, die sie sexuell mißbrauchen. Wenn der Käufer Überdruß empfindet, landet das Mädchen als Prostituierte in ihrer Heimatgemeinde oder wird an ein städtisches Bordell verschachert. Ihre Familie nimmt sie nicht mehr auf, Heirat ist ihr verboten. Religiöse Furcht, Armut und Aberglaube, gefördert von den Nutznießern des Devadasi-Systems, erhöht die Zahl der Mädchen, die dem Gott geopfert werden.

Ähnliche Motive stärken das "Trokosi"-Ritual in Ghana. Als Trokosi, Fetisch-Sklaven, werden Mädchen im Alter von fünf oder sechs Jahren dem Priester eines Schreins übergeben. Männliche Familienmitglieder wollen damit eine persönliche Schuld tilgen und die Gunst der Götter wiedererlangen. Die Mädchen werden Hausdienerinnen des Priesters und später dessen Sex-Sklavinnen.