James B. Stewart:

Blood Sport - The President And His Adversaries; Simon & Schuster, New York 1996; 479 S., 25,- Dollar

Eingangs wollte sich die First Lady dem Autor offenbaren. James Stewart wurde von Susan Thomases, einer engen Freundin Hillary Clintons, regelrecht bedrängt, sich doch intensiv mit dem heiklen Thema Whitewater zu beschäftigen. Whitewater ist der Name jenes Immobiliengeschäftes, in das sich das junge Ehepaar Clinton vor achtzehn Jahren in Arkansas einließ, ein Gespenst, das sie bis heute verfolgt und zu einer schweren Belastung im Wahlkampf geworden ist. Anfang 1994 empfing Mrs. Clinton den Pulitzerpreisträger Stewart zu einem anderthalbstündigen Gespräch.

Sie muß dessen Unabhängigkeitswillen unterschätzt haben, denn nach dieser einen Sitzung sprach sie nie wieder mit ihm. Stewart recherchierte akribisch - und nach zwei Jahren kam er mit einem Buch heraus, das ohne Übertreibung die beste, die vollständigste und auch die fairste Abhandlung des Whitewater-Themas genannt werden kann.

Unabhängigkeit: Andere haben sie nicht. Dem Whitewater-Untersuchungsausschuß im Kapitol sitzt der New Yorker Senator Alfonse D'Amato vor. Er erledigt sozusagen die Dreckarbeit für Robert Dole und scheut dabei nicht einmal vor Tricks wie der Manipulation des Terminkalenders zurück, damit das Thema bis zum Herbst weiterkochen kann. Die eigentliche juristische Investigation für den Senat ist dem "unabhängigen Anwalt" Kenneth Starr anvertraut. Von einer eventuellen Regierung Dole dürfte er dafür mit einem Kabinettsposten - Oberster Staatsanwalt, Justizminister - entlohnt werden. Stewart untersucht auch D'Amatos und Starrs Rolle sowie die der Journalisten, die glauben, "Blut gerochen" zu haben.

Vollständigkeit: Der Untersuchungsausschuß des Senats kann bei Stewart noch einiges entdecken, Belastendes und Entlastendes.

Darstellung: Politische Bücher leiden oft unter der mangelhaften erzählerischen Fähigkeit ihrer Autoren, dieses nicht. Ein Clinton-Mitarbeiter, Vincent Foster, nahm sich während der Untersuchungen das Leben.