Auf einer Fachtagung der Stiftung Lesen im thüringischen Apolda ging es um Nützlichkeit, Qualität und Mängel der Reiseliteratur.

Ein Beispiel macht die explosionsartige Zunahme von Reiseführern auf dem deutschen Buchmarkt deutlich. Über Kalifornien wurden 1980 fast gleichzeitig fünf Titel aufgelegt, derzeit sind es bereits siebzig. Geographisch gesehen gibt es praktisch keine Lücken mehr im Reisebuchbereich. Insgesamt 8500 Buchtitel sind gegenwärtig auf dem Mark und in jedem Jahr kommen neue Reihen hinzu.

Kann bei diesem Ausstoß noch Qualität produziert werden? Die Verlagsvertreter zeigten sich auf der Tagung ganz und gar von der Güte ihrer Bücher überzeugt, beklagten jedoch, daß sie wegen des starken Konkurrenzdrucks keine angemessenen Preise verlangen könnten. Dieses Argument zielte auf die anwesenden Autoren, die sich für ihre Arbeit unzureichend honoriert fühlen. Doch daran wird sich kaum etwas ändern, da die Produzenten derzeit auf ein Überangebot an Schreibwilligen zurückgreifen können.

Die inhaltliche Qualität von Reiseführern zu bewerten ist so schwer, weil die Kriterien wechseln, je nachdem, welcher Kategorie sich ein Reiseführer zurechnet. Ein umfassender Baedeker-Allianz-Führer bedient andere Interessen als ein Wander-, Tauch- und Radführer, und Bände, die das Schwergewicht auf Kunstgeschichte legen, wenden sich an ein anderes Publikum als Globetrotter-Handbücher.

Um einige Standards, wie praktische Informationen und die Beschreibung von Sehenswürdigkeiten, kommt der klassische Reiseführer nach wie vor nicht herum. Mehr als früher wird jedoch versucht, den Leser mit der realen Gegenwart eines Landes vertraut zu machen und Verständnis für die Eigenart seiner Bewohner zu wecken.

Beklagt wurde von den Diskutanten, daß in den Reiseführern vielfach nur reine Fakten wiedergegeben, diese jedoch nicht in einen erhellenden Bedeutungszusammenhang gesetzt werden. Kunstreiseführer erweisen sich häufig als unlesbar, weil sie aus einem Sammelsurium belangloser Details bestehen.

Der Wunsch wurde laut, noch mehr Fachleute, unter anderem Ethnologen und Anthropologen, heranzuziehen, um Klischees und Vorurteilen gegenüber fremden Ländern vorzubeugen. Es hieß, Autoren müßten in der Lage sein, Vergleiche zwischen der fremden und der eigenen Kultur zu ziehen.