Zwar ist "Mulligan's Pub" in der Poolbeg Street nicht die älteste Dubliner Kneipe (das "Brazen Head" hat noch mehr Jahre auf dem Buckel), doch immerhin wurde sie established 1782 und von James Joyce häufig aufgesucht.

Und um Dublins großen Dichter ging es an jenem Aprilabend, als ich in "Mulligan's Pub" Zuflucht vor dem eisigen Nordostwind fand und meinen durchkühlten Körper mit Guinness und Whiskey wärmte.

Auf die gleiche Idee waren vor mir schon zwanzig oder dreißig andere gekommen: lauter Männer - Dubliner, die rotohrig und wortgewaltig über Gott und die Welt und den Rinderwahnsinn redeten.

Als ich nach dem zweiten Pint Guinness - also nach genau 1,136 Liter Bier - dem Ort der Erleichterung zustrebe, fällt mein Blick auf ein großformatiges farbiges Poster, das ziemlich hoch an einer der braun verräucherten Wände hängt: "Joyce's Dublin" verspricht es in großen Lettern.

Ich bleibe stehen und trete dann näher, um die abgebildeten Photos zu betrachten. Auf Anhieb erkenne ich - trotz Bierdunst und Zigarettenrauch - jenen legendären Wachturm, der zu Anfang des "Ulysses"-Romans eine große Rolle spielt und in dem Joyce selber eine Zeitlang gewohnt hat.

"Welcher von den vielen Martello Towers hier an der Küste ist dies wohl?" frage ich die umstehenden Dubliner und löse damit eine hitzige, lang anhaltende Debatte aus. Nach wenigen Minuten sind fast alle Anwesenden, Bierglas in der Hand, vor dem Poster versammelt und versuchen, meine Frage zu beantworten.

"Ich wette, das ist der Tower von Sutton Strand", meint der eine.