Schwerin

Wer von der Insel Rügen her auf dem Damm zum Festland fährt, sieht sie rechter Hand aufragen, die riesigen Stahlskelette der neuen Halle. Zum Wahrzeichen der Stralsunder Volkswerft sollen sie werden.

Aber es ist unklar, ob hier das Symbol eines modernen Werftstandorts oder eine weithin sichtbare Investitionsruine wächst. Jedenfalls drängt die Zeit: 175 Millionen Mark für die Fertigstellung zweier Schiffe braucht die Werft sofort; 250 Millionen Mark fehlen für den Weiterbau der Halle.

Am Freitag vergangener Woche besuchten Oskar Lafontaine und der SPD-Vorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern, Wirtschaftsminister Harald Ringstorff, den bedrohten Standort. Nach dem Gespräch in der Werft machte Betriebsrat Wilfried Klepien seinem Ärger Luft: "Das Ränkespiel in Schwerin wird auf dem Rücken der Belegschaft ausgetragen." Und: "Wenn die Koalitionskrise die Werft in Gefahr bringt, kriegt die SPD eins auf den Deckel." Oskar Lafontaine verstand die Stimmung, er redete nicht von linken Mehrheiten.

Statt dessen beschwor er die Genossen: "Priorität haben die Werften."

Aber das "Schweriner Ränkespiel" ist im Lande schon längst ein Dauerbrenner. Konstanz scheint eine Eigenschaft, die sich in der Politik zu Mecklenburg-Vorpommern nur am Rande des Untergangs entwickelt. Konstanz, das sind die Regierungskrise und die Werftenkrise.

Und innig miteinander verflochten stabilisieren sich beide Krisen gegenseitig.