Zur Debatte steht ein Grundwert des Liberalismus: die menschliche Handlungsautonomie gegenüber der Natur. Im Namen einer allgemeinen Lebensautonomie richtet sich die Kritik gegen die den technologischen Entwicklungen zugrundeliegenden Prinzipien und Denkformen. Sie hat eine historische Dimension und ist zugleich eminent politisch. So zweifelt, wer die Lizenz zur Ausbeutung der Ressource "Tier" in Frage stellt, am Wertesystem einer Gesellschaftsordnung.

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Die Rechtfertigung der christlichen Theologie für die zu leicht befundene Tierseele ist die Menschengestalt Jesu. Allein für die Menschheit sei der Erlöser aufgetreten und deshalb auch allein für die Menschen gestorben.

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Kirche wie Tierrechtlern gemeinsam ist das Problem aller Theologie: die Unmöglichkeit, eindeutige Grenzen zu ziehen. Hatte sich die christliche Religion damit herumzuplagen, überzeugend begründen zu müssen, warum der Mensch ins Jenseits einzieht, der Schimpanse hingegen nicht, so stehen Tierrechtler umgekehrt vor der Crux, erklären zu müssen, warum die Grenze, die das beseelte vom unbeseelten Leben trennt, ganz woanders liegen soll.

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